Das Elbe Syndrom - Teil 5
Kapitel 6
Nach den abenteuerlichen Turbulenzen bei unseren Elbe-Törn im Frühjahr, waren Gaby und ich wild entschlossen, einen weiteren Bootstörn zu wagen. Mit unserem Charterer in Unteruhldingen am Bodensee wurde im Juni ein Törn für September gebucht, dass Ende der Bootssaison 2007 wollten wir auf den Märkischen Gewässern bei Berlin erleben.
Aber zunächst kam im Juli alles anders, ich wurde von einem Virus (Erkältungssymptome) infiziert, der mir fast das Leben kostete. Dank unseres Kreisfeuerwehrarzt (gleichzeitig unser Hausarzt) der alles rechtzeitig erkannte, wurde ich nach einem 3 ½ wöchigen Krankenhaus-Aufenthalt am Ammersee gerettet. In dieser Zeit sagten wir alle Buchungen ab, weil wir nicht wussten wie es weiter geht. Nach befragen der Ärzte wurde für das Hobby ein „OK“ gegeben und wir konnten unsere Planungen fortsetzen.
Zwei Wochen vor Reisebeginn zum Bodensee wurde wieder unnützes Zeug gepackt, was wir nicht wirklich für diesen Törn brauchten. Eine gewisse Routine zur Vorbereitung eines Bootstörns macht sich bemerkbar, schnell erkannten wir, dass wir nur 5 Tage fahren wollten und nicht 3 Wochen wie im Frühjahr. In Unteruhldingen bei Familie Weber kamen wir Montagmorgen an und wurden wie immer toll begrüßt. Die Übernahme und Einweisung der Inter 8800, Name Komet, war Routine, wir kannten das Boot schon aus dem Vorjahr. Bei strahlendem Wetter ging es los zum westlichen Bodensee-Ende nach Ludwigshafen-Bodmann, Ludwigshafen war bereits zu Anfang des letzten Jahrhunderts Transitplatz für Waren und Zollgrenze zur Schweiz und Österreich. Ein alter Kran aus dem frühen19. Jahrhundert ist noch heute zu sehen. Weithin sichtbar erhebt sich das „Großherzogliche Badische Hauptzollamt“ am Yachthafen, dieses Gebäude steht heute unter Denkmahlschutz. Jetzt machen wir einen langen Schlag von Ludwigshafen nach Lindau. Hier fühlen wir uns wohl, der kleine Stadthafen ruhig gelegen und doch mitten in der historischen Inselstadt. Das alte gotische Rathaus erbaut 1422-1436, sowie der einzige bayrische Leuchtturm an der Hafeneinfahrt mit einer Höhe von 33 Meter und flankiert vom bayrischen Wappentier, den Löwen, der auf den See hinausschaut.
Der Wetterbericht sowie das Barometer verspricht nichts Gutes für den nächsten Tag, Sturm, Starkregen und Rauwasser bei 2-3Meter Wellenhöhe. Wir bleiben länger in Lindau, war toll und der Beginn einer 5 Tägigen Speisetour nur mit Bodenseefischen. Am dritten Tag besuchen wir unsere Freunde vom Wassersportcenter in Kressbronn im Yachthafen, die Freude war so groß, dass ich beim Festmachmanöver am Steg ins Wasser falle und um unser Boot herumschwimmen muss um an Bord zu kommen. Das Wiedersehen mit Gaby und ihren Ausbildern war herzlich, es wurde doch sehr ausführlich über einen Matrosen gelästert, der heute beim Anlegen einer Motoryacht in das Hafenbecken gefallen ist. Wer den Schaden hat, brauch für den Spott nicht zu sorgen. Nach einem erholsamen Vormittag bei Kaffee im Bistro des Yachthafens und Aktivierung des Wäschetrockners für meine nassen Klamotten, ging es weiter. Ein Navigationstörn bei schönstem Wetter führt uns von Kressbronn nach Arbon. Die Seebucht von Arbon ist eine der ältesten bekannten Siedlungsstätten im Bodenseeraum. Hier entdeckte man umfangreiche Ufersiedlungen (Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit 3500-2500 v Chr.). Arbon ist eine schöne Stadt mit alten Riegelhäusern, die typisch sind für die Schweizer Orte am Bodensee. Der Yachthafen, Träger die Stadt Arbon, stellt alles was wir bisher kannten in den Schatten, Gemeinschaftshaus für Gastlieger, Ruheräume, Fernsehraum mit Internet und W-LAN Anschluss, Aufenthaltsraum für schlechtes Wetter sowie hochmoderne Duschen und WC- Räume, die beim öffnen der Türen automatisch Stereo- Musik erklingen lässt. Der Hafenmeister ist auch sehr stolz auf seinem Hafen, bei 10€ Liegegebühren All Inklusiv, waren wir sehr zufrieden. Die Stadt wurde besichtigt wie Museum und Schloßturm. Nach einem erholsamen Schlaf an Bord und einer ausführlichen Erklärung bei der Bio-Bäckerin beim Brötli-Kauf (Brötchen), wo ich in die tiefsten Geheimnisse des Vollkornbrötchen und deren Herstellung eingeweiht wurde, machten wir uns auf den Weg in Richtung Konstanz und weiter nach Reichenau und Steckborn (Schweiz). Bei schönsten Wetter und viel Berufsschiffahrt machte das Fahren richtig Spaß.
Wir passierten die Engstelle in Konstanz, mit ihren doch sehr nahen Untiefen aus Fels, die man durch das Wasser sehen kann.
Auch das durchqueren des Untersees mit seinen doch 8,3 Kilometer ausgewiesenen Fahrweg, den man tunlichst nicht verlassen sollte wegen der Untiefen, machte keine Probleme. Wir haben anscheinend, dass Elbe Syndrom überwunden, bzw. wir können jetzt damit besser umgehen. Das eigentliche Ziel sollte die Insel Reichenau sein, da man die Engstelle der westlichen Insel und dem Festland genau in der Mitte treffen muss (lt. Törnführer), ansonsten Untiefen und Felsen, verlies uns bei einem Wasserstand von 2 Meter unter dem Schiff der Mut. Die Erfahrung der Elbe war doch wieder da. Gemeinsamer Entschluss der Besatzung, wir haben Urlaub und wollen keinen Stress, als neuer Hafen Steckborn in der Schweiz. Das war ein Volltreffer, eine schöne alte Stadt mit 3500 Einwohnern, toller Yachthafen, eine alte Stadtmauer und einen Turm aus dem 1300 Jahrhundert mit der Wohnung des Abts. Nach einem ausführlichen Frühstück in Steckborn, mussten wir bis zum Mittag warten, denn wir hatten im Rheintal starken Nebel, aber die Sonne verscheuchte den Nebel und wir konnten bis kurz vor Stein am Rhein fahren, leider mussten wir Wenden weil die Rückfahrt nach Unteruhldingen doch einige Zeit brauchte.
Im Yachthafen von Unteruhldingen angekommen wurden wir abends mit einem großen Hallo begrüßt und wir waren froh, dass unser Schiff heil angekommen ist, dass sah im Frühjahr an der Elbe anders aus. Wir übernachteten in einem mittelmäßigen Hotel, da wir am nächsten Morgen zur Messe nach Friedrichshafen wollten.
Die Interboot ist immer Gut, bei herrlichstem Wetter war dies ein toller Abschluss für unseren Urlaub. Volles Programm auf der Messe, unsere Yachtcharterer waren auch da, vor lauter Fachgespräche vergaßen wir die Hälfte für die nächste Törn-Planung im Herbst 2008. Gaby und ich kommen immer mehr zu dem Entschluss uns ein eigenes Boot zu kaufen, einige Anbieter wurden auf der Messe besucht und viele Fachgespräche geführt. Aber wir haben Zeit und überstürzten diese Aktion nicht. Es war ein ruhiger, erholsamer Urlaub, so macht das Bootfahren auch Spaß, ohne viel Aufregung.
Kapitel 7
Das Jahr 2007 neigt sich dem Ende und auch für Gaby und mich geht die Bootsaison 2007 zu Ende.
Da wir im Herbst nächsten Jahres einen etwas größeren Törn vorhaben, war diese Abschluss- Tour in die Märkischen Gewässer um Berlin eine reine Test und Erholungsfahrt. Unser Hafen Töplitz war das Ausgangsziel mit einer etwas kleineren Gruno 30, ein ideales Schiff für 2 Personen. Wir waren auch besser ausgerüstet als bei unseren anderen Touren, Notebook mit gespeicherten Revierkarten, UMTS, DTV-Ausrüstung, GPS, Funkgesteuerte Wetterstation und Funkscanner wurden von uns eingebaut. Der Morgennebel hielt uns noch bis zum Mittag im Hafen gefangen und wir konnten das Kommando „Klar bei Vorleine“ erst gegen 12.00Uhr geben.
Wir hatten diesmal keinen zeitlich abgestimmten Törnplan und waren frei in unserer Entscheidung. Nach passieren des Havelkanals legten wir abends im Yachtcentrum Nord-West Henningsdorf an, alles neu und modern, nur unser Adapter für den Landanschluß hatte einen Wackelkontakt, der Ersatzadapter war an Bord und wir hatten Strom, kennen wir schon, aber stromlose Zeiten gibt es bei uns nicht. Mächtiger Berufsschiffsverkehr auf der Wasserstraßenautobahn, Oder-Havelkanal, Polnische Schubverbände mit Kohlen für Berlin, wenn die ihre Maschinen anschmeißen, glaubst du der Wald brennt ab, weil solche starke Rauchentwicklung entsteht. Unsere Zusatzausrüstung, die wir im nächsten Jahr brauchen, haben wir auch getestet, es ist alles voll funktionstüchtig und wir gehen nach weniger Zeit von der Testphase in die Erholung über. Klasse Fahrt, wir tuckern auf dem Oder Havelkanal Richtung Osten, unser Ziel Marienwerder kurz vor Oderberg. Eine Familie aus Sachsen fährt auf einem Charterboot wie wir, vor uns, das Boot ist nicht Segelboot und auch nicht Motorboot, halt so ein Zwischending, wie das Boot so auch die Crew. Ziemlich merkwürdiger Fahrstiel auf dem Wasser, wir halten großen Abstand und die Berufsschiffahrt hat auch so ihre Probleme mit dem Boot.
In der Marina Marienwerder werden wir vom Hafenmeister begrüßt und wir halten den ganzen Abend einen Klön schnack, die Hafenkneipe heißt auch“ Klön schnack.“ Am nächsten Tag wollen wir eigentlich zum Schiffhebewerk Niederfinow, aber auf Grund starker Bauarbeiten in diesem Abschnitt und Einbahnverkehr mit 6 Stunden Wartezeiten entscheiden wir uns für den Werbelinsee. Tolle Sache, durch traumhafte Kanäle, so muss der Spreewald aussehen, geht es über 2 Schleusen mit Selbstbedienung in den Werbelinsee. Alles Naturschutzgebiet, wir sind ganz alleine auf dem See unterwegs und die Seekarten zeigen keine Untiefen an, doch mitten im See, gelbe Tonne von 35 Meter Tiefe sofort auf 2,50Meter, Gaby verkrampft sich am Ruder, Elbe Syndrom. Hier ist eine Untiefe im See, die weiträumig umfahren werden muss, aber in den Karten steht nichts. Nach dem ersten Schreck läuft bei uns alles nach Routine ab, langsam zurücksetzen und bei mehr Tiefe und mit einem gehörigen Respekt, die Tonne mit großen Abstand umfahren. Am See ende legen wir in einem kleinen Hafen an, wo es geräucherten Fisch vom Fischer gibt. Am anderen Morgen großes Geschrei nebenan, viele Kraniche auf Wanderschaft und ein Uhu gibt auch noch seinen Kommentar dazu. Auf der Rückfahrt über den Oder-Havelkanal nach Oranienburg haben wir einen seltenen Gast, neben dem Schiff, Gaby und ich sehen zum ersten Mal einen Eisvogel.
Das Bootshaus in Oranienburg ist auch sehr schön, neu renovierte Duschen und ein sehr freundlicher Service, man merkt der Hafenmeisterin an, dass sie schwer um ihr Image bemüht ist, nach dem sich einige Bootsfahrer in der Presse und in den bekannten Fachzeitschriften sehr negativ über diese Marina geäußert haben. Nächsten Tag, geht’s durch die Schleuse Berlin Spandau recht zügig zu unserem Stammhafen Marina Lanke Wannsee. Hier kann man Boote schauen, neu und gebraucht und schon mal von der Zukunft träumen, eigener Skipper zu sein. Abends ruft eine sehr liebe Freundin aus Amrum (Insel in der Nordsee) an, es wird ein langes Gespräch, sie erzählt vom Abendteuer einer Atlantikfahrt mit der QE II. Heute hat Gaby Geburtstag, ich habe eine Kleinigkeit im Schiff vorbereitet, dass Wetter ist schlecht, Windstärken bis zu 7Bf und ordentlicher Wellenschlag auf dem Wannsee.
Ich stoße mir den Kopf am Schott zum Salon, die Wunde fängt gleich an zu bluten, aber keine Panik wir haben auch das schnell im Griff. Unser Windmesser zeigt eine Windgeschwindigkeit von bis zu 65 Km an. Ankunft im Yachthafen des Hotel Resort Schwielowsee, hier wollen wir Gabys Geburtstag feiern, Klasse Anlage, alles da Wellness, Sauna, Außenpool/Innenpool, mehrere Restaurants und Bars, nur die Hafengebühren sind etwas hoch. Abends bekommt Gaby noch ein großes Feuerwerk mit Musikuntermahlung (Event im Hotel) besser geht es nicht. Am nächsten Morgen fahren wir gemütlich zurück nach Töplitz, ein etwas mürrischer Hafenmeister des Yachthafens, versieht seinen Dienst an der Schiffstankstelle. Aber sonst ist alles so wie immer. Keine lautstarke Unterhaltung gehabt.
Schaut man auf die paar Jahre Bootscharter zurück, kann man sagen wir haben viel erlebt, viel Geld ausgegeben, überwiegend nette und- weniger nicht nette Menschen kennen gelernt, immer gut gegessen, viel gelernt und vielleicht auch das Elbe Syndrom ein bisschen bezwungen. Die lautstarken Unterhaltungen zwischen Gaby und mir gibt es nicht mehr, wir sind ein gut eingespieltes Team, dass sich auch nur mit Blickkontakt bei Manövern versteht, hier haben wir schon einige Skipper verblüffen können, wenn Gaby am Ruder steht und sie ein nicht einfaches An oder- Ablegemanöver fährt. Frauen halt.
In ca. drei Jahren gibt es dann wieder Berichte, vielleicht schon auf eigener Yacht.
Peter Uebach Maisach den, 10.12.2007
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