Traumhafter Yachtcharterurlaub in Europas schönster Wassersportregion
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Törn durch Preußens Gloria mit dem Charterboot

Oberbaumbrücke in Berlin mit Charterboot
Ein tolles Stück Berliner Spree: Die markante Oberbaumbrücke verbindet die Stadtteile Kreuzberg und Friedrichshain.
Dichter dran geht nicht: eine Woche mit dem Charterboot in Potsdam und Berlin.

Auf dem westlichen Teil des Berliner Autobahn­ringes überspannt die A 10 mit einer Brücke den Klei­nen Zernsee, Teil einer Seen­kette, die hier von der Havel gebildet wird. Wohl jeder Auto­fahrer gönnt sich an dieser Stel­le einen Blick auf die maleri­schen Gewässer: „Hier müsste man mal mit dem Boot rumfahren", haben auch wir schon oft gedacht und jetzt endlich in die Tat umgesetzt. Fast unterhalb der Brücke, nur knapp zwei Kilometer jen­seits der Abfahrt Leest, liegt der kleine Ort Töplitz mit dem Yachthafen Ringel. Hier hat Yachtcharter Heinzig einen Stützpunkt, und hier ist auch unser Charterboot, die "Kalimera", eine Gruno 30 Classic, zu Hause. Potsdam und Berlin stehen auf dem Programm, Ziele, die von hier aus ideal in einem Wochentörn ohne großen Dauerfahr-Stress erreichbar sind. Genau richtig, um preußisch­berlinerische Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus zu besu­chen oder zu besichtigen. Auf der „Potsdamer Havel", so der offizielle Name, der rund 30 km langen Bundeswasser­straße, fahren wir Kurs Süd durch den Großen Zernsee. Mittendrin liegt das Städtchen Werder auf einer Insel. Die Heilig-Geist-Kirche und eine hin­ter den Bäumen vorlugende Windmühle laden zum Besuch ein. „Porta Sophia" heißt die Marina, in der wir festmachen. Liegeplatz, Wasser- und Stromanschluss sind selbstverständ­lich, gute Sanitärräume gibt es im Kellergeschoss eines Neu­baus am Marina-Eingang. Von hier bis in die „City" von Werder, das mit seiner Umgebung von alters her als Obstanbauge­biet bekannt ist, sind es nur wenige Minuten Fußweg. Viele Gebäude sind renoviert und bieten mit den schmalen, kopf­steingepflasterten Straßen eine Menge idyllische Anblicke. Ne­ben dem Obst hat der fischrei­che Zernsee zum Wohle der Be­völkerung beigetragen, und noch heute gibt es auf der „Was­serseite" der Stadt mehrere Gaststätten, bei denen Fisch ganz oben auf der Karte steht. Eine davon ist „Arielle", eine charmante Kombination aus Räucherbude, Bistro und Bier­garten. Wer will, kann hier mit dem Charterboot zum Essen festma­chen und neben den Fischge­richten den „ Werderaner Wachtelberg", einen Müller-Thurgau aus der „nördlichst gelegenen weingesetzlich erfassten Reblage der Welt" genießen.

Die Ruhe am Glindowsee mit einem Charterboot geniessen

Charterboot Berlin
Molecule Man, Oberbaumbrücke und Fernsehturm am Alex
Nur einen Kilometer südlich von Werder geht es durch einen schmalen Durchlass unter der ehrwürdigen B 1 hindurch in den Glindowsee, der eine fast unwirklich anmutende Ruhe, ja Abgeschiedenheit ausstrahlt. Dichte Wälder, Felder und Gärten säumen das Ufer. Die erlaubten 8 km/h erscheinen einem noch zu schnell. So tuckern wir mit dem Charterboot ganz langsam eine große Besichtigungsrunde. Auf Gegenkurs holt uns die Wirk­lichkeit allerdings ein: Eine unübersehbare, meterhohe Leuchtreklame eines ameri­kanischen Frikadellenbraters zeigt, dass hinter der grünen Kulisse das normale Leben tobt. Nachdem wir Baumgartenbrück passiert haben, geht es auf direktem Weg über das Nordende des Schwielowsees Richtung Caputh, malerisch an einer Engstelle der Havel gele­gen. Caputh ist nicht nur ein hübscher Ausflugsort, sondern auch die heimliche Hauptstadt der Fischreiher. Hier an der Ver­engung der Havel sind beson­ders viele Stellnetze ausge­bracht, und der Tisch scheint reich gedeckt. Auf jedem Pfahl hockt ein Reiher, und es ist schwer vorzustellen, dass diese Vögel schon fast ausgerottet waren. Die Aufmerksamkeit des Skippers ist wegen der vielen Netze und wegen der Seilfähre, die den schmalen Sund kreuzt und schwer einsehbar ist, ein wenig gefordert. Prominentester Wochenendbürger von Caputh war Albert Einstein, der sich vom For-schungsstress beim Segeln auf dem Templiner See erholte. Sein Sommerhaus am Waldrand hoch über dem Ort wurde anlässlich des Einstein-Jahres 2005 renoviert und ist für einige Stunden am Wochenende zu besichtigen. Lei­der gibt es in Caputh keine Anlegemöglichkeit für ein kurzes Sightseeing. Caputh im Rücken, steuert das Charterboot „Kalimera" nun auf Brandenburgs Hauptstadt Potsdam zu. Die Silhouette der Stadt ist vom Wasser aus wenig markant, und wir beschließen, die Stadt auf dem Rückweg mit Charterboot zu besuchen: bei einem Mittagsstopp im Yachthafen Potsdam, den Armin Burchardi nach der Wende mit allem Zipp und Zapp ausgestattet hat. Besonderer Tipp für diesen Platz: Ein privater Auto­vermieter bietet für den Land­ausflug Leihwagen ab Marina an. Wer darauf verzichten will, ist aber auch in wenigen Minu­ten an der Straßenbahn-Halte­stelle Richtung Zentrum.

Will Potsdam keine Gäste?

Charterboote in der Hauptstadt
Oberhalb der Mühlendammschleuse liegt im abzweigenden Spreekanal der reizvollste innerstädtische Liegeplatz für Charterboote
Ein gut betonntes Fahrwasser führt weiter auf die Stadt zu. Dort, wo man gerne einmal für kurze Zeit halten würde, ist alles für die „weiße Flotte" reserviert. Auch die in den Karten angegebenen Tagesliegeplätze hinter der Bahnbrücke kurz vor der „Neuen Fahrt" sind zu Gunsten der Ausflugsschiffe aufgehoben. Schade, die Landeshauptstadt hat offensichtlich den Charterboot-Touristen nicht auf der Rechnung. Nach der engen „Neuen Fahrt" erreichen wir den „Tiefen See". An seinem Nordufer liegt die Berliner Vorstadt, heute ein bevorzugtes Wohnquartier großer und weniger großer Promis. Gegenüber, am Südufer, der Stadtteil Babelsberg, dessen Filmstudios ihn über Deutschland hinaus bekannt gemacht haben. Am Nordende des Tiefen Sees endet die Potsdamer Havel in der Glienicker Lake, und wir bewegen uns auf der Grenze zwischen dem Land Brandenburg und Berlin, dokumentiert durch die berühmte Glienicker Brücke in deren Mitte Ost und West aneinander stießen. Die Brücke durften nur Alliierte und Diplomaten passieren, und zu Zeiten des Kalten Krieges wurden hier hochkarätige Spione ausgetauscht. Wenige hundert Meter ost­wärts beginnt km 0,0 des Tel­towkanals, dessen 100-jähriges Jubiläum letztes Jahr gefeiert wurde. Noch bis in die 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts spielte der Transport von Bau­material, Kohle, Holz, aber auch von Lebensmitteln, auf dem Wasserweg für Berlin eine ganz wesentliche Rolle. „Berlin ist aus dem Kahn gebaut", so hieß es jahrzehntelang. Da war die Spree als Hauptwasserstraße permanent überlastet, und Wartezeiten an der Mühlendammschleuse von über zwei Wochen sind dokumentiert. Um den Infarkt in Berlin-Mitte zu mildern, wurde zunächst 1850 der Landwehrkanal ge­baut und dann 1906 der 38 km lange Teltowkanal als großräumige südliche Umgehung. Er verbindet Südwest-Berlin/Pots­dam und Südost-Berlin/Köpe­nick direkt und schafft eine gradlinige Verbindung von der Elbe zur Oder. Mit der Einfahrt in den Tel­towkanal, der am Anfang zunächst vom lang gezogenen Griebnitzsee gebildet wird, er­reichen wir eine zeitgeschicht­lich hochinteressante Gegend: Die schöne Landschaft hat auch dem preußischen Hochadel ge­fallen. So ließ sich hier noch als Prinz der spätere Kaiser Wil­helm I. das Schloss Babelsberg als Sommersitz im Burgenstil bauen. Als Besonderheit wurde der großartige Landschaftspark von Fürst Hermann von Pückler-Muskau angelegt, der es in­zwischen zum Welterbe ge­bracht hat. Um den Park ausreichend bewässern zu können (und nebenbei noch Fontänen bis zu 40 m Höhe druckreich zu versorgen), wurde am Ufer das markante Wasser­werk im maurischen Stil errich­tet. Zu Zeiten der Mauer lag es direkt an der Grenze, der Turm diente den Wachtruppen als Ausguck. Auf der anderen Kanalseite ließ sich schon im 17. Jahrhun­dert der Große Kurfürst das Jagdschloss Glienicke bauen, das haarscharf noch auf Berli­ner Gebiet liegt. Die einst unüberwindliche Grenze verlief mal nördlich, mal südlich des Kanals und ist heute nur noch für Kenner sichtbar. Die Erin­nerung an die Verhältnisse während des Kalten Krieges löst heute noch leichte Schauer aus. Man ist ganz dicht dran an der Ost-West-Geschichte, denn man passiert am Südufer die alten Villen, in denen 1945 die alliierten Verhandlungsführer residierten: Stalin in der Villa Herpich, Churchill und Attlee in der Villa Urbig und Truman in der Villa Müller-Grote. Verhandelt wurde im Schloss Cäcilienhof in Potsdam, das wir auf unserer Rückreise noch vom Wasser aus sehen werden. Bei km 3 zweigt der Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal, grif­figer auch „Griebnitzkanal" ge­nannt, nach Norden Richtung Wannsee ab. Der Kanal verbin­det eine Reihe kleiner Seen mit dem Großen Wannsee und da­mit die Havel. Von vornherein nur für den Ausflugsverkehr be­stimmt, sind Breite und Tiefe begrenzt. Auf jeden Fall ist an der Engstelle der Einrichtungsverkehr zu beachten!

Potsdamer Havel bei Berlin
Schöner Wohnen an der Potsdamer Havel: Villa in Geltow
Waren wir bisher überwie­gend in Gesellschaft anderer Charter- oder Ruderboote, so dominieren jetzt die Segler. In der Westbucht des Wannsees reiht sich Hafen an Hafen. Vie­le laden Gastlieger mit dem Symbol „Gelbe Welle" zum Bleiben ein. Die Gelbe Welle als Zeichen dafür, dass Gastlieger willkommen sind, hat sich in den Berlin-Brandenburger Gewässern flächendeckend durchgesetzt, sodass man spontan auf Platzsuche gehen kann, ohne eine großartige Törnplanung zu machen. Dies gilt aller­dings nicht für den engeren Stadtbereich Berlins. Zwischen Spandau im Westen und Stralau im Osten gibt es keine Marina, dafür ausgewiesene „innerstäd­tische Liegeplätze" in zentralen Lagen, für 24 Stunden nutzbar. Leider sagt die Gelbe Welle nichts über das Ausstattungsniveau und die Größe der Liegeplätze aus. Oft sind diese so klein, dass das „Willkommen" nur für Kanuten gedacht sein kann. Der beste Rat ist daher, dicht an das Welle-Schild heranzufahren und die Symbole zu studieren, die über Ausstattungsdetails informieren. Wir machen in einem der größeren Häfen, der Marina Lanke, fest, im Süden Spandaus am Eingang der Scharfen Lanke gelegen. In diesem Wassersportzentrum findet man so ziemlich alle Dienstleistungen rund ums Charterboot, gastronomische eingeschlossen. Nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist der zentrale Sanitärbau. Da erwartet der serviceverwöhnte Skipper eines Charterboots inzwischen mehr Komfort.

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