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Etappe 1: Töplitz-Havelberg, die UHW, Untere-Havel-Wasserstraße


Erste Etappe: Von Töplitz nach Havelberg, Seite 1

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RevierkarteUnsere erste Etappe führt uns von Töplitz, dem Heimathafen der "Kolibri", über die Untere-Havel-Wasserstraße durch den Naturpark Westhavelland bis auf die Elbe. Da im Sommer 2002 die Schleppzugschleuse Havelberg gesperrt war, mussten wir dabei über den Gnevsdorfer Vorfluter fahren. Zwischenstopps gab es in Brandenburg, Rathenow und Havelberg. Zurückgelegt wurden in den knapp drei Tagen (Abfahrt am ersten Tag: 16.45 Uhr) ca. 130 km.
Benötigt wird der Band "Sportschifffahrtskarten Binnen 1 - Berlin und Märkische Gewässer" der Verlagsgesellschaft Nautische Veröffentlichung

Unseren Ausgangshafen Töplitz erreichen wir schnell und problemlos, die Abfahrt von der A10 liegt praktisch direkt am Yachthafen Ringel.

Als uns Steffen Fabian, Geschäftsführer der Marina Ringel in Töplitz Meldung macht, die "Reinigungsbrigarde" habe das Schiff gerade verlassen, wissen wir, dass wir noch viele Spuren einer Zeit finden werden, die noch gar nicht so lange vorbei ist und die doch schon so fern liegt! In vielen Ortsbilder, bei Straßennamen und in so manchen Gesprächen wird es deutlich - das Zusammenwachsen wird noch einige Zeit benötigen - und typische Unterschiede werden bleiben, aber die sind völlig natürlich und es gibt sie schließlich überall zwischen den verschiedenen Landesteilen Deutschlands
Grafitti


Wir räumen ein und wollen los. Nur das Wetter spielt nicht mit: es nieselt vor sich hin. Um 16.45 legen wir ab, die ersten Manöver mit dem Schiff, wir fahren auf die Untere-Havel-Wasserstraße (UHW), Richtung Brandenburg, das wir um 20.00 Uhr erreichen. Wir legen im Zentrum an. Es ist der letzte Liegeplatz von etwa 10 Plätzen vor interessanter Kulisse. Früher beherbergte das Gebäude den VEB Brandenburger Traktorenwerke - eine Original "Werbe"-Aufschrift aus DDR-Zeit findet sich an der anderen Gebäudeseite. Unser Schiff ist das weiße Boot vorn,. das erste Mal fahren wir mit Schwarz-Rot-Gold als Heimatflagge!

VEB Brandenburger Traktorenwerke

Letzter Liegeplatz, Glück gehabt. Wie wird hier in der Hochsaison sein? Aber wir schreiben Mitte Juli, jetzt ist Hochsaison! Und da wird uns auch der Unterschied zu den Niederlanden klar: Wir waren fast die gesamte Zeit allein auf dem Wasser - in den Biergärten: Tische schräg gestellt - irgendwie fehlen die Menschen. 

Liegeplatzansicht
 


Der nächste Tag beginnt mit der Stadtschleuse Brandenburg - dann geht es weiter in Richtung Elbe.
Stadtschleuse Brandenburg
 

Das Dörfchen Bahnitz bietet unterwegs die Möglichkeit, an einer alten Hafenmauer festzumachen. Liebevoll mit zwei Pavillons ausgestattet ist es endlich die Möglichkeit, mal eine Pause einzulegen. Der obligatorische Schwimmponton lässt auch kleinere Sportboote davon profitieren. Sonst hat der Ort nicht viel zu bieten: Eine breite Allee wirkt völlig deplaziert im "Dorfkern", Kriegerdenkmal, freiwillige Feuerwehr, das war´s.

Hafenmauer Bahnitz
 

Für den Skipper interessanter: Die Schleppzugschleuse Bahnitz, sie zeigt Doppelrot. Doch geschlossen, obwohl der Boote-Schleusenkalender Bedienung auch am Wochenende verspricht? Und keine Möglichkeit zum Festmachen für Sportboote - sagt die Karte. Wir fahren näher ran und sind überrascht. Das obligatorische Schild "Halt" hat einen Zusatz: Ausgenommen Sportboote, und tatsächlich gibt es direkt vor der Einfahrt einen Ponton mit Steg zum Land! Da hat sich was getan! Und kaum haben wir die Kolibri gut vertäut (mit Vor und Achterleine und einer Spring) und den Motor abgestellt, wechselt das Doppelrot zum Einfachrot, Wasser rauscht, die Schleuse kommt hoch und einige Minuten später können wir einfahren.

Im mit 215 Meter Länge riesigen Schleusenbecken haben einige Schiffen ihren Liegplatz gefunden, es wird nur für uns geflutet, und wenige Minuten nach der Einfahrt sind wir einen Meter tiefer. 2.150.000 Liter Wasser für nur ein Sportboot - fur uns! Nach kurzem Plausch mit der Schleusenwärterin geht es weiter.

Schleppzugschleuse Bahnitz

Am Abend dann Anlegen in Rathenow, der Hafen wird aufwendig umgebaut, eine neue Fußgänger und Radfahrerbrücke soll ihn mit dem Ort verbinden, schöne Backsteinarchitektur - alles gefördert von der EU, dem Bund und dem Land Brandeburg im Rahmen der Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur - das wird mal schön hier in Rathenow. Malerischer Blick auf die alte Stadtschleuse in Rathenow:

Stadtschleuse Rathenow
 

Toll ist schon jetzt die Gaststätte direkt am Anleger "Am Alten Hafen" mit sehr maritimer Ausstattung und einer Speisekarte, die jedem Skipper Spaß machen wird 

Aber das Wichtigste: Das Essen ist hervorragend! Lachsfilet in Nussbutter gebraten mit feinen Kaiserschoten - und nix von trocken, einfach SUPER. Und als Vorsuppe auf der Karte eine kleine Verbeugung an den einzigen Sozialismus, der real auf deutschem Boden existiert hat: Soljanka nach dem Originalrezept der örtlichen LPG.

Gaststätte 
 

Abendspaziergang durch Rathenow, vorbei am "Platz der Jugend" mit der obligatorischen Plastik, diesmal eine hüllenlose Turnerin mit Reifen. 
Image 
 

Schön restaurierte Häuser, aber auch die vergessenen Straßenzeilen, verfallene Bausubstanz, zugemauerte Türen. Straßen wie in der Kindheit: Kopfsteinpflaster, und plötzlich rattert ein Trabbi vorbei - die gibt es wirklich noch! 

Strassenzug Rathenow

Rund um die Kirche ein aufwendig restauriertes Ensemble...

Restauriertes Haus 

Frage an den Schleusenmeister nach dem Pegel im Vorfluter, über den wir von der Havel in die Elbe wollen - er gibt mir die Telefonnummer der Schleusel Quitzöbel, dieselbe, die ich seit einem Tag nicht erreichen kann "Diese Nummer ist zur Zeit nicht vergeben" - ich hatte das auf die immerhin zwei Jahre alte Karte zurückgeführt, der ich die Nummer entnommen hatte. Der hilfsbereite Schleusenwärter probiert es gleich aus - und bekommt dieselbe Ansage. Aber das ist seine einzige Nummer! Kein gutes Zeichen für ein Land, das vom Wassertourismus entdeckt werden möchte! Aber sonst ein nettes Gespräch.

Zwei etwas angetrunkene Zeitgneossen leisten dem nur wenig beschäftigten Schleusenmeister Gesellschaft. Als ich nach der pegelabhängigen Durchfahrthöhe der nächsten Brücke frage, beruhigt mich einer der beiden und berlinert extra-breit: "Da kommse doch durch, da kommse doch durch" - und er wiederholt diese Sätze etwa jede Minute und lacht mich dabei bierselig an - das Blonde mit der Schwarzen Seele (oder war´s umgekehrt) hat ihn doch ein wenig mitgenommen.

Blick auf die Jederitzer Brücke in Rathenow - und da kamen wir tatsächlich durch!

Jedseritzer Brücke, Rathenow 
 


Am Sonntag geht es von Rathenow weiter in Richtung Elbe, Havelberg heisst das Etappenziel, ein Törn durch eine wunderschöne Flusslandschaft... 
Paddler 
...den Naturpark Westhavelland. Infos Naturpark: 
Naturlandschaft 
 

Die Havel schlängelt sich durch eine manchmal atemberaubend schöne Landschaft.

Naturlandschaft 
Dunkle Kiefernwälder begleiten den Fluss, dazwischen unter Schutz gestellte Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung - die typische Havellandschaft bietet einer großen Zahl von Wasservögeln einen artgerechten Lebensraum, viele Störche, und über allem ziehen Greifvögel ihre Kreise
Naturlandschaft
 

Die abgestorbenen Bäume am Ufer bieten ihnen beste Ansitzmöglichkeiten. Kleine Dörfer, einzelne Gehöfte tauchen in der Kulisse nur selten auf. Altarme links und rechts des Fahrwassers unterbrechen die Uferlinie.

Naturlandschaft 
 

Auf dem Wasser sind wir fast allein, kaum einmal begegnet uns ein Boot - es ist wirklich schön.
Naturlandschaft 
Doch - ein Boot begegnet uns und fällt uns auf: Die "Hein Mück". Ein Vater mit Sohn und Tochter unterwegs auf 5 Meter Wasserlinie mit 30 cm Freibord, wir sehen die mutige (oder leichtsinnige?) Crew noch mehrfach, selbst auf der Elbe!
Hein Mück ! 
 

Dann kommt Havelberg in Sicht, am Rande der durch Fontane beschriebenen Mark Brandenburg - die einzigartige Silhouette ist schon von weitem zu sehen.

Naturlandschaft 
Malerisch zieht sich die erste Häuserzeile am Fluss entlang. Ein neuer Yachthafen ist entstanden, gefördert von der EU und den üblichen Verdächtigen
Blick auf Havelberg 
 

Nach dem Anlegen ein Spaziergang durch die Altstadt auf der Stadtinsel - liebevoll restauriert, teilweise ein bisschen beliebig, die gleiche Häuserzeile könnte auch in Bremens Böttcherstraße stehen. Naja, EU usw. haben eben wirklich hier reichlich Geld gelassen. 
Am Abend dann noch ein knackiges Gewitter - Morgen geht es weiter, auf die Elbe. 82km bis Dömitz. Zwischenstation wird voraussichtlich Wittenberge sein - wenn der Vorfluter genug Wasser führt, aber das erfahren wir eben mangels einer existierenden Telefonnummer erst vor Ort!
Gasse in Havelberg 

Von Havelberg geht es weiter in den Gnevsdorfer Vorfluter. Eigentlich ist dies keine Wasserstraße, er ist zur Wasserregulierung gebaut und kann von Sportbooten benutzt werden. 2002 gibt es dazu keine Alternative, denn die Schleppzug-Schleuse Havelberg ist geschlossen! Gemeinsam mit "Hein Mück" und "Andrea" aus Gorleben schleusen wir in der Wehrgruppe Quitzöbel herunter auf das Niveau des Vorfluters.

Wehrgruppe Quitzöbel 

Und wieder schiebt der Wind dunkle Wolken herüber - gleich wird es schütten wie aus Kübeln.

Schlechtwetterfront 
 

Die Strömung ist sehr stark und je nach Richtung des Wasserlaufes steht der Wind dagegen - dies Problem ist jedem Wassersportler bekannt - das gibt steile Wellen. Und die "Andrea" schiebt sich mutig dadurch.

Schön stürmisch 

Manchmal schlägt die Gischt über dem Dach zusammen - nur gerade dann hat man natürlich den Fotoapparat nicht zu Hand...

Noch stürmischer 
 

Die letzte Wehrgruppe, die letzte Schleuse vor der Elbe: Gnevsdorf! Auch hier wird gebaut.

Schleuse Gnevsdorf 
Vor der Schleuse machen wir fest und warten auf die Schleusenzeit. Auch hier sind die Angaben in den unterschiedlichen Quellen sehr verschieden. Für Wassersportler sehr unbefriedigend - man kommt an einer Schleuse an und stellt fest, dass gerade eine längere Pause begonnen hat - und man hätte locker eine halbe Stunde früher da sein können. Und längst nicht vor allen Schleusen kann man vernünftig festmachen. Auch hier ist nur Platz für zwei Schiffe am Anleger, für die beiden anderen Boote müssen wir improvisieren. Doch gute Seemannschaft ist halt keine leere Worthülse.
Schleuse Gnevsdorf 
 

Und von der Schleusenbrücke eröffnet sich auch der Blick auf ein neues Revier: Der Vorfluter mündet direkt in die Elbe! Schaumkronen auf den Wellen zeigen kabbeliges Wasser an, ein großes Fachtschiff fährt stromauf.

Die Elbe