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Etappe 4: Von Waren/Müritz nach Berlin
Vierte Etappe: Von Waren/Müritz nach Berlin |
Von Waren bis Berlin sind es 160km auf direktem Kurs - nur den wird niemand fahren, zuviele attraktive Ziele liegen links und rechts der Route. Wir haben weit über 200km "verfahren" und 7 Tage für diese Etappe benötigt. Rheinsberg, Lychen, Templin und vor allem ein Abstecher auf den Werbellinsee sind unbedingt zu empfehlen. In den kleinen Gewässern abseits der großen Wasserstraße sind oftmals die Durchfahrten sehr eng, die Brücken sind schmal und man muss an einigen Stellen schon sehr vorsichtig navigieren. Eigentlich selbstverständlich, dass man in den engen Gewässern sehr langsam fährt und auf den Uferbewuchs achtet. Stichwort Werbellinsee: Das Wasser ist so klar und sauber, dass man den Anker beim Fallen lange verfolgen kann, dies gilt auch für viele andere der kleineren Wasserläufe und -flächen. Es ist schon ein Erlebnis! Zur Überquerung der Müritz ist eine gute Wetterinformation einzuholen, überall in der Literatur wird vor dem "eigenen" Wetter der Müritz gewarnt. Schnell können hier sehr unangenehme Wellenhöhen und -formen entstehen, die schon so manches Sportboot zum Kentern gebracht haben. Skipper mit Charterschein dürfen die Müritz ohnehin nicht ohne Lotsen überqueren.
| Benötigt wird der Band "Sportschifffahrtskarten Binnen 2 - Berlin und Mecklenburger Gewässer" der Verlagsgesellschaft Nautische Veröffentlichung | Es geht los, frühmorgens starten wir von Waren auf die Müritz - für den Nachmittag sind Gewitter vorhergesagt, auf der Müritz etwas ungemütlich. Im Morgendunst taucht am Steuerbord Schloss Klink, heute ein Hotel. |  | Trotz der Uhrzeit sind schon viele andere Boote unterwegs, viele haben auch in der Nacht geankert, auf den Untiefen kein Problem. Vorn im Bild die West-Kardinaltonne von Rodenberg. | |
| Nach 14 Kilometern liegt sie an Steuerbord querab, die befeuerte Tonne "Kleine Kuhle" - die Müritz ist geschafft, für ein Motorboot ist diese riesige Wasserfläche ja ein eher langweiliges Revier | | | Zielow kommt in Sicht und wir laufen in die kleine Müritz ein. | | | |
Über die kleine Müritz nach RheinsbergÜber die kleine Müritz geht es weiter bergab, Mirow bleibt links liegen (vielleicht nächstes Jahr) Zotzen-, Vilz- und Labussee werden durchfahren, auch in Canow können wir nicht bleiben, unser Ziel für heute heißt Rheinsberg | | RheinsbergDie Pälitzbrücke bei Kleinzerlang ist der Zugang zu den Rheinsberger Gewässern, mit 5,30 Metern nicht gerade einladend, aber doch irgendwie eine schöne Pforte zu dem nun folgenden Abschnitt! | | | Hinter der Brücke "lauert" die Schleuse Wolfsbruch und die gleichnamige Marina - eine moderne Anlage auf einer künstlichen Insel mit allen Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten bis hin zu den Komfort-Angeboten eines sehr guten Hotels - Ferienhäuser uind -wohnungen - alles da | | | |
Drei Seen sind zu passieren, dazwischen kurze Stücke durch den Wald, an einigen Stellen sieht man Boote vor Anker liegen - hier in der Ruhe und Abgeschiedenheit sicher für viele eine gute Alternative zu einer großen Marina
| | Trotz der späten Stunde sind wir nicht allein unterwegs, einige Kanuten drehen noch eine abendliche Runde. Die Ausfahrten aus den Seen sind nicht immer auf Anhieb zu finden. Die Seezeichen sind manchmal zugewachsen oder stehen ungünstig, oft muss man wirklich bis an die vermutete Stelle fahren und erst im letzten Augenblick öffnet sich dann der Durchlass für das Auge
| | | Auf dem Rheinsberger See (Rheinsberg selbst liegt am Grienerick See) senkt sich die Sonne langsam zum Horizont, auch der Bereich um die Remus-Insel dient vielen Schiffen als Nachtquartier | |
Wieder ein schmales Verbindungsstücke, die Reke, und da schimmert schon etwas durch...
| | ...im milden Licht der Abendsonne liegt das Schloss Rheinsberg am Ufer des Grienerick-Sees. Berühmt wurde es duch Fontanes "Wanderungen durch die Mark", richtig bekannt aber erst durch Tucholskys "Bilderbuch für Verliebte"
| | Gegenüber das Prinz-Heinrich-Denkmal, das an den Helden des siebenjährigen Krieges erinnern soll
| | Sehr gut vom Wasser aus zu fotografieren: Die Feldsteingrotte, mit deren Errichtung 1753 begonnen wurde. Durch die Aufschichtung von Findlingen entstanden drei Räume, deren Wände ursprünglich mit Muscheln und die Decken mit gläsernen Tropfsteinen verziert waren. Infos Rheinsberg
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Obere-Havel-WasserstraßeWeiter geht es über die Müritz-Havel-Wassestraße in Richtung Strasen, dort wollen wir auf die Oder-Havel-Wasserstraße wechseln, die uns bis nach Oranienburg bringen soll. Zunächst aber müssen wir raus aus den Rheinsberger Gewässern, und das muss vorsichtig geschehen, denn es sind wieder große Gruppen von Kanuten und Paddlern unterwegs - und nicht alle sind mit der Bedienung der Boote und dem Verhalten auf dem Wasser vertraut. Für uns heißt das: Runter mit der Geschwindigkeit bis unter 2.000 Touren, um jede Welle zu vermeiden und Wahrschau, denn die Gruppen schwirren oft auseinander und Boote verteilen sich über die gesamte Breite des Fahrwassers | | Wieder gilt es, schmale Brücken zu passieren. Diese liegt in einer Kurve, für unsere "Kolibri" kein Problem, die Skipper der langen Hausboote anderer Vercharterer haben da so ihre Probleme...
| | An exponierten Stellen gibt es tatsächlich Wartezeiten an den Schleusen - der Sportbott-Verkehr ist auf dieser Seite der Müritz auf jeden Fall stärker als auf der Müritz-Elde-Wasserstraße oder der unteren Havel. Hoffentlich gibt es einen Schleusenmeister, der die Kammer vernünftig vollpackt!
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...denn der ist wirklich gelungen: Solide Steganlage, ein sehr gutes Restaurant (Nudeln werden selbstgemacht) und ein kompetenter Hafenmeister. Das Restaurant können wir wirklich empfehlen, man sitzt direkt am Wasser und kann das "maritime Leben" (na gut, dieses ist in Fürstenberg noch nicht ganz so prickelnd wie anderswo) prima beobachten. Auf jeden Fall: Gute Adresse für einen Aufenthalt (Schloss mit 3-flügelieger Barockanlage, gelbe Backsteinkirche, Burg aus dem 16. Jhdt.). Info Fürstenberg | | Der Ort liegt direkt am See
| | Und in Sichtweite des Ortes, auf der anderen Seite des Schwedt-Sees, geschah das Unfassbare: 1938 errichteten die Nazis hier das größte Frauenkonzentrationslager Deutschlands, das KZ Ravensbrück.
| Wenn ihr uns vergesst, war unser Sterben umsonst, umsonst die Tränen, die wir geweint, umsonst die Qualen, die wir erlitten. A. Lazare (Mahnruf der toten Frauen von Ravensbrück)
| 132.000 Häftlinge wurden nach Ravensbrück deportiert, 92.000 ermordet, die Asche im Schwedtsee versenkt - in direkter Nachbarschaft von Fürstenberg und Ravensbrück! Kurz vor Ende des Krieges waren mit Hilfe des Internationalen, des Schwedischen und Dänischen Roten Kreuzes etwa 7 500 Häftlinge in die Schweiz und nach Schweden gebracht worden. Zehntausende im Lager verbliebene Frauen trieb die SS auf die "Todesmärsche" in Richtung Nordwesten. Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee etwa 3 000 zurückgelassene Kranke. Die Mahn- und Gedenkstätte des KZ Ravensbrück wurde1959 eröffnet. Sie ist täglich außer montags geöffnet und in wenigen Minuten vom Yachthafen aus zu Fuß zu erreichen. Info: www.ravensbrueck.de |  | | |
Da braut sich was zusammen, nach drei heißen Tagen wird es zunehmend drückend und die entsprechenden Wolkenformationen zeigen sich: Hier entwickelt sich ein gewaltiger Cumulonimbus, glücklicherweise erwischen uns die Gewitter am Nachmittag nicht, die Todesopfer durch umstürzende Bäume bei den letzten Gewittern im Osten sind uns noch gut in Erinnerung und wir fahren letztlich mitten durch den Wald
| | Wir sind unterwegs von Fürstenberg nach Templin, unterwegs wollen wir einen Abstecher nach Lychen machen.
| | Seen und kleine Verbindungskanäle wechseln sich ab...
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Manchmal wird es so eng, dass selbst auf diesen kleinen Wasserstraßen Warnsignale angebracht sind, so zum Beispiel auf der Woblitz in Richtung Lychen
| | "Fly-Brigde für Arme" - so fährt es sich am schönsten - man ist mittem im Wald, die Luft riecht herrlich und die Übersicht ist sehr gut. Steuern kann man mit dem Fuß - geht prima
| | Wieder folgen kleine Ausbuchtungen, von denen sich die Seerosen langsam in das Fahrwasser vorschieben
| | Dann öffnet sich der Wald, das Fahrwasser wird breiter und es folgt wieder ein See, aus dem Dunkel des Waldes geht es hinaus auf die große Wasserfläche
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Abstecher Lychen - am Stadtsee ist leider kein Liegeplatz zu bekommen, so muss eine Besichtigung ausfallen - schade, der Ort wäre es sicher wert gewesen. Info: www.lychen.de
| | Die Fahrt nach Lychen beginnt in der Schleuse Himmelpfort (Gotische Klosterkirche und sehr schöner Kräutergarten direkt am Anleger) und hier hat sich der örtliche Verein etwas besonderes einfallen lassen: Anlegemöglichkeit gegen Ticket aus dem Parkscheinautomaten - Wasser und WC - alles da
| | Und Himmelpfort gibt sich international: Die Schleusenabzeige ist zweisprachig
| | Und wieder: Seerosen, verschwiegene Fahrwege mitten durch den Wald, unterbrochen von kleinen Seen - ein schönes Stück Deutschland
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Weiter über die Havel......in Richtung Templin. Der Fluß schlängelt sich durch eine waldreiche Landschaft | | Er hat hier viele Altarme und Nebengewässer, in die die Einfahrt verboten ist. Es wird spät werden, die Sonne ist längst untergegangen und wir müssen noch ein paar Kilometer zurücklegen - und dann fängt es doch noch an zu regnen, na ja, wir wollen nicht ungerecht sein, tagsüber hat sich das Wetter gut gehalten
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So drängeln sich heute die Boote an einem viel zu kurzen und wenig stabilen Steg, vier Boote können dort festmachen, der Rest muss sich "in die Büsche schlagen", also irgendwo am rutschigen Ufer anlegen, eigentlich schade, denn...
| | ...Templin hat viel zu bieten. Erstklassige Einkaufsmöglichkeiten seien nur am Rande erwähnt. Es gibt eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer, ein schönes Museum und viele andere interessante und sehenswerte Stellen im Ort. Infos Templin
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Zehdenick...hat sich zu einem Wassersportmekka gemausert. Dazu trägt nicht nur die Lage an der Unteren Havel Wassestraße bei - die zahllosen Wasserflächen in der Umgebung und die Nähe zu Berlin haben diese Entwicklung ebenfalls begünstigt. So sieht der neue Bootsfahrertreff von der Wasserseite aus... | | und so von der Straße. Der "Blaue Anker" ist ein gemütliches Restaurant mit schöner Aussicht auf Hafen und Wasserstraße. Das Angebot ist sehr vielversprechend und die Atmosphäre maritim - Anker, Schiffsschraube und eine in das Pflaster eingearbeitete Windrose tragen dazu bei. Schade nur, dass das Frühstück auf der Terrasse ausfallen muss, das Lokal öffnet erst um 11.00 Uhr (Sommer 2002). Infos Zehdenick
| | Die große doppelte Klappbnrücke wurde nach der Wiedervereinugung gebaut - heute ist die Straße gesperrt und die aufwendige Klappkonstruktion wird nur noch von Radfahrern, Rollstuhl- und Kinderwagenfahrern benutzt.... Unser Ziel, den Werbellinsee, erreichen wir über die Havel-Oder-Wasserstraße
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WerbellinseeBei Kilometer 54,9 zweigen wir dann ab in den Werbellinkanal - und in eine andere Welt! Der Kanal führt durch die Schorfheide, einem Gebiet, das zum großen Teil unter Naturschutz steht. Das Wasser ist so klar, schon fast unwirklich. Man schaut bis tief auf den Grund. |  | ...kann Wasserpfanzen und Fische sehen und fährt dabei durch eine einzigartige Landschaft. Seit Jahrhunderten ist es vor dem Zugriff durch den "gemeinen" Menschen geschützt: Um 1300 jagten hier die Askanier, dann waren es Fürsten, Könige und Kaiser, die sich das Gebiet exklusiv sicherten und nach den NS-Größen kam nahtlos das "Sozialistische-ZK-Jagdkollektiv" in den Genuss, das streng abgesicherte Gelände betreten zu dürfen
| | Die Landschaft gehört zum Biosphärenreservat "Schorfheide-Chorin". Biber, Waschbären und Fischotter sind hier heimisch, Seeadler, Kraniche und der seltene Eisvogel leben hier
| Zum Werbellinsee müssen wir wieder nach oben - zwei Schleusen heben uns um etwas mehr als 6 Meter an. | | Und wieder gibt es die tollen Fotos, wenn das Wasser in die Schleusenkammern schießt. Auch hier auffallend: An der Selbstbedienungsschleuse gibt es Probleme mit der Ausnutzung des Raumes und lange Wartezeiten, zwei Kanus beanspruchten aus Angst vor dem Wasser nahezu die gesamte Fläche für sich, hier wäre ein erfahrener Schleusenmeister sicher wichtig
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Dann öffnet sich der Tunnel und gibt den Blick frei auf den...
| | ...Werbellinsee, eines der größten und schönsten Gewässer der Schorfheide, ein Rinnsee aus der letzten Eiszeit. Er hat eine Fläche von fast 786 ha u. erstreckt sich über 13 km Länge. An seiner breitesten Stelle mißt er rund 1.300 m, stellenweise ist er 60 m tief. Kristallklares Wasser, beim Ankern kann der Patent-Anker lange verfolgt werden, Das Heck wird mit dem Klappdraggen stabilisiert und so liegt das Boot auch beim auffrischenden und drehenden Wind in der Nacht ruhig und sicher. Da ein Nachtfahrverbot besteht, liegt man sehr ruhig
| | Pünktlich zum Kaffee auf dem Achterdeck kommen sie vorbei: Schwäne (ohne Nachwuchs?!?) klopfen höflich an und fressen aus der Hand
| | Abendstimmung auf dem Werbellinsee. Gemeinsam mit vielen anderen Booten lag unsere "Kolibri" vor Anker und wir konnten die Stille genießen - einfach schön. Auf der großen Wasserfläche verteilten sich die Boote und niemand kam den Nachbarn zu nah. Außerdem gibt es eine Reihe von Anlegestellen und Restaurants, die man direkt anlaufen kann. Fehlte nur noch der "Brötchenservice per Boot" am Morgen!
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