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Das Elbe Syndrom - Maisach im Herbst 2007

Motoryacht Pelikan
Motoryacht Pelikan
Erlebnisberichte von Peter Uebach über das Charterbootfahren.
Die Idee zu diesen Berichten kam uns, dass sind  meine Frau Gaby und ich, nachdem wir immer nach jeder Bootstour, für Bekannte und Freunde eine kleine Törninformation verfassten.
Als wir unsere norddeutsche Heimat, Mitte der achtziger Jahre aus beruflichen Gründen verlassen hatten und nach Bayern zogen, wurde das Maritime etwas aus den Auge verloren. Eine Veränderung trat Anfang der neunziger Jahre ein, als wir aus steuerlichen Gründen ein Ferienhaus am Jadebusen direkt hinter dem Deich bauten, und stolze gewerbetreibende wurden mit einer Ferienhausvermietung.
Das Maritime rückte wieder etwas in den Vordergrund und wurde bei unseren Fernreisen auch gelebt, eine Bootstour gehörte immer mit zum Erlebnisurlaub in Asien oder sonstwo auf der Welt.
Das Bootfahren lernte ich bereits in der Jugend, wir hatten zu hause ein Metzler Schlauchboot mit einem 8 PS Yamaha-Außenbortmotor und bretterten auf der Weser und Aller rum. Auch die Wasserausbildung beim Technischen Hilfswerk (THW) in Bremen sowie  die alljährlich im Herbst wiederkehrenden Hochwassereinsätze taten ihr übriges. Gaby kam zum Bootfahren durch das THW in Bayern und unseren Kameraden von der Wasserwacht Fürstenfeldbruck, hier bot sich 2003 die Gelegenheit über die Wasserwacht kostenneutral einen Bootsführerschein Binnen zu erwerben. Es wurde über den Winter auf dem Ammersee in Oberbayern kräftig Praxisausbildung unter realen Bedingungen geübt, egal ob Schnee oder ein teilweise zugefrorener See. Im April 2004 hielt Gaby ihren Sportbootführerschein Binnen vom DMYV in Händen, dass Patent von der Wasserwacht wurde anerkannt.

Kapitel 1

Im September 2004 besuchten wir die Messe Interboot Friedrichshafen, eigentlich waren wir nur hier um fehlende Ausrüstungsgegenstände für unsere Wassergruppe des THW- Fürstenfeldbruck zu kaufen, von der Messe waren wir überwältigt, es gab Boote in Hülle und Fülle, Bootsausrüster, also alles ums Boot.
Hier lernten wir auch ein Ehepaar kennen, die einen kleinen Messestand betrieben und etwas im Messetrubel untergingen, es war ein Yacht-Charterbetrieb aus Potsdam, genauer aus Töplitz, der die Schönheiten der Märkischen und Berliner Gewässer anpries. Wir ließen uns Informationsmaterial geben und schlenderten weiter.

Im Winter hörten wir von unserer Nichte aus Hamburg, dass sie ihren Urlaub auf der Müritz und in Berlin auf einer Charteryacht im Sommer verbracht hat und ganz begeistert ist. Da man im Winter mehr Zeit hat als in anderen Jahreszeiten suchten wir die Hochglanz- Broschüre des Charterunternehmens aus Töplitz im ganzen Haus und wurden unter einem Stapel Papier fündig. Jetzt schauten wir uns diese Information doch einmal genauer an, ein Boot gefiel uns beiden sofort, es war die Pelikan, eine holländische Stahlyacht der Gruno Werft. Für den Einstieg als Charterbootsfahrer wollten wir einen Versuch im September 2005 für 1 Woche wagen und konnten diesen Urlaub mit einer seit längeren geplanten Reise nach Berlin verbinden.
Im Frühjahr besuchten wir die CBR- Messe (Caravan-Boot und Reisen) in München, war aber nicht so interessant wie die Interboot in Friedrichshafen. Irgendwie hat uns die Sucht nach Bootfahren gepackt.
Anfang September war es dann soweit, nach einem tollen Urlaub bei Verwandten in Haldensleben und einen längeren Aufenthalt in Berlin, machten wir uns auf den Weg nach Töplitz zum Yachthafen Ringel. Der erste Eindruck war überraschend, so hatten wir uns das hier nicht vorgestellt, Panzerplatten als Fahrweg und alte Kräne. Nachdem wir uns zum Bootsvermieter durchgefragten und ihn auch gefunden hatten, wurden wir herzlich begrüßt und die Formalitäten erledigt. Eine gründliche Einweisung bei 30 Grad und schönsten Wetter gab es auch noch und unsere Bitte doch eine Probefahrt zu machen, weil wir nur Pinne gewohnt sind und nicht Ruder und Gashebel, wurde erfüllt. Die Pelikan übertraf voll unsere Erwartungen, ein tolles Teil. Der Yachthafen sieht aber beim zweiten hinschauen sauber und aufgeräumt aus und die Sanitärräume sind prima in Schuss. Es ist halt alles etwas älter. Die Hafenklause ist ok, hier gibt es deftige Hausmannskost zu kleinen Preisen.

Jetzt sind wir Charterbootfahrer für eine Woche auf der Pelikan, wir haben unser Boot ausgerüstet, Proviant gebunkert und Fahrräder sind auch an Bord. Wir werden noch einmal auf die Sportschiffahrtskarten Binnen und die Sicherheitsausrüstung hingewiesen und dann kann es am Nachmittag losgehen.
Wir fahren vom großen Zernsee Richtung Havel, immer an so grünen und roten Tonnen vorbei, Gaby wühlt sich durch die Sportschiffahrtskarten um den rechten Weg zu finden und wirkt irgendwie angespannt. Auf der Havel fahren wir in Richtung Brandenburg, die erste Hürde, Gaby hat im Buch eine Seilfähre auf der Höhe Ketzin entdeckt und wir müssen Signal geben, beim Autofahren nennt man das hupen. Nun nähern wir uns Brandenburg, nächste Hürde, die Vorstadtschleuse mit ihrem Sportbootanleger auf der Backbordseite oder für uns damals noch links. Da ich fahre klappt es mit dem Anlegen am Anleger nicht so richtig, dass Bugstrahlruder ignoriere ich vollständig, sowas brauche ich nicht. Gaby hat den Festmacher in der Hand und steht wortlos am Anleger, ich beschimpfe sie mit sehr lauten Worten und prompt fliegt der Festmacher in meine Richtung, in dem Chaos habe ich die Lautsprecherdurchsage der Schleuse nicht gehört, die uns unmissverständlich auffordert, den Anleger sofort zu verlassen und in die Schleuse einzulaufen. Vor uns taucht ein Binnenschiff auf und braucht den ganzen Platz.
Etwas quer komme ich in die Schleuse und beim zweiten Anlauf sind wir an der Schleusen- Innenwand und überstehen unsere erste eigene Schleusung. Anschließend biegen wir hinter der Schleuse nach Backbord ab um an den Wasserwandrastplatz Brandenburg zu kommen.
Der Wasserwanderrastplatz in Brandenburg liegt mitten in der Stadt und ist doch sehr ruhig. Wir beschließen an diesem Tag erst einmal Ruhe an Bord, den so kann das nicht weiter gehen, ich habe anscheinend nicht die Ruhe bei schwierigen Manövern und wir müssen uns über die Abläufe an Bord besser verständigen. Lösung Gaby fährt und ich mach den Rest.
Nächster Tag von Brandenburg geht es nach Rathenow, wir kommen jetzt auch mit den Sport-schifferkarten besser klar und wissen zu mindestens wo wir hinwollen und wo wir im Augenblick sind, wir fahren die Havel in Richtung Pritzerbe, nächste Herausforderung, Schleuse, dass Anlegen klappt, Gaby führt ruhig das Schiff, in der Schleuse wieder Hektik, Gaby verlässt der Mut und übergibt mir das Ruder, aber alles geht gut. Ein bisschen Stolz laufen wir aus der Schleuse raus und kommen abends im Rathenower Wassersportverein an, Altstadtfest ist auch und es wird ein schöner Abend mit Wassersportlern aus Hamburg die seit 2 Wochen über die Müritz-Berlin-Havel-Elbe nach Hamburg wollen, Charterfahrer wie wir aus Berlin gesellen sich dazu.

Nächster Tag, die Hamburger wirken etwas nervös und erkundigen sich über Funk, wie es mit den Wasserstände der Elbe aussieht, für uns unverständlich, wir wollen so schnell wie möglich nach Havelberg ,liegt zwar an der Havel, aber was geht das uns an. Hier taucht zum ersten Mal das Elbe Syndrom auf, erst ein paar Jahre später sollten Gaby und ich es lieben und fürchten lernen.
Unsere Charterfahrer aus Berlin haben ein GFK-Boot von einem Vermieter aus der Nähe von Brandenburg zum Schnäppchenpreis bekommen, schon etwas älter aber es fährt. Nun geht es gemeinsam mit uns in die Schleuse Rathenow, dass GFK-Boot voran, bei der Einfahrt sehen wir die schiefen Schleusenwände und benutzen die großen Ballonfender um Abstand zu halten. Die Berliner kämpfen mit ihren Bootshacken und Leinen und setzen beim Schleusenvorgang, wir fahren zu Tal, seitlich mit ihrem Boot auf. Es scheppert ziemlich laut in der Schleuse als sich das Boot auf den Weg nach unten verabschiedet und ein bisschen Kunststoff verliert, die Stimmung an Bord ist auch prima man schreit sich gegenseitig an.
Gaby und ich schauen uns an und denken das Gleiche, gestern haben wir uns auch lautstark unterhalten, so etwas darf uns nicht mehr passieren.
Durch eine schöne Landschaft fahren oder gleiten wir nun in Richtung Havelberg, zum ersten Mal genießen wir die Bootsfahrt und finden es einfach toll.
Nächste Hürde, Schleuse und das Wetter ist schlecht, souverän fährt Gaby in die Schleuse und ich komme mit den Halteleinen auch gut klar, wir werden bei jedem neuen Schleusengang sicherer. Vorne im GFK-Boot der Berliner immer noch prima Stimmung, Lautstarke Unterhaltung.
Am späten Nachmittag laufen wir im Havelberger Winterhafen ein und werden vom Hafenmeister Ehepaar sehr freundlich begrüßt, die Hamburger sind auch schon da aber wieder etwas nervös wegen der niedrigen Wasserstände auf der Elbe , man will morgen um 07:00 Uhr auslaufen und versuchen Lauenburg zu erreichen. Elbe Syndrom.
Das GFK-Boot der Berliner gibt im Winterhafen seinen Geist auf, große Aufregung, Batterien alle leer und die Notrufnummer des Vermieters stimmt auch nicht. Landstrom mag das Boot auch nicht, etwas ratlos stehen wir alle am Steg. Der Hafenmeister versucht zu helfen, kommt aber auch nicht weiter. Das Charterunternehmen will einen Monteur schicken aber das dauert.
Wir haben Fahrräder mit und erobern Havelberg, eine schöne alte Stadt mit einem Dom und Museum, es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Wir beschließen zwei Tage hier zubleiben. Im Naturparkmuseum erleben wir was rechts und links der Havel los ist. Fischadler, Biber, Kraniche und vieles mehr aber keins der Tier haben wir bis jetzt gesehen.

Der Monteur aus Brandenburg versucht sein Bestes am Berliner Boot, kommt auch nicht weiter und erklärt der verdutzten Chartercrew, dass sie den Rest der Reise immer wieder ihre Batterien aufladen müssen und so wenig Strom wie möglich verbrauchen sollen. War ja schließlich auch ein Sonderpreis für die Woche. Die Berliner sind recht verärgert.
Abschied von Havelberg, wir laufen am frühen Morgen aus, die Berliner hinten dran, in Richtung Rathenow, dass Schleusen klappt jetzt prima und wir gewinnen immer mehr Sicherheit, auch haben wir endlich verstanden, was es bedeutet „Sog und Wellenschlag zu vermeiden“, wir können jetzt die Schifffahrtszeichen, ohne nachschlagen im Handbuch, sofort zuordnen.
Die Landschaft ist bei schönstem Wetter wie gemalt und jetzt sehen wir auch die Tiere, Reiher sitzen in den Bäumen, Fischadler ziehen ihre Kreise, Kormorane stürzen sich gierig in die Fluten auf der Jagd nach Fischen .
Ankunft in Rathenow Kanu-Verein, hier ist schwer was los, Kanuten über all mit einem schnellen Tempo, der Verein ist auch Olympiastützpunkt und Bundesleistungszentrum für Kanu-Sport. Abends Ankunft einer großen Charteryacht beim Kanu-Verein, wir rätseln alle wie die das Ding an den schmalen Steg zwischen zwei Booten „parken“ wollen. Aber nach kurzer Zeit liegt die Yacht fest am Steg, hat Bug und Heckstrahlruder. Wir entdecken, dass wir sowas auch haben, zumindest Bugstrahlruder, praktisch eingesetzt haben wir es noch nie.
Am Morgen legen wir in Rathenow ab und setzen zum erstmal unser Bugstrahlruder ein, es klappt alles so wie wir uns das vorgestellt haben. Frage, warum haben wir das Ding erst jetzt entdeckt? Wieder Schleusen, aber für uns kein Problem mehr, vor uns eine führerscheinfreie Crew auf einer Voyager Charteryacht in wilder Fahrt, wir halten Abstand, nach einiger Zeit gibt die Crew der Voyager ihr Vorhaben in die Schleuse einzulaufen auf und dreht bei. Ein reichlich verdutzter Schleusenwärter gibt einen entsprechenden Kommentar ab.
Wir erreichen am Nachmittag den Eisenbahner Segel Verein Kirchmöser, in der Karte ist vermerkt, dass sich links und rechts der Fahrrinne eine Untiefe befindet und eine südliche Anfahrt zum Hafen empfohlen wird, da ich am Ruder stehe nehme ich die Aufforderung, südlich zu genau und mache einen weiten Bogen, dass Echolot zeigt immer weniger Tiefe an, Gaby meint das ist wohl etwas zu weit und die Einfahrt ist 400m an Steuerbord , lauert hier etwa wieder das Elbe Syndrom. Gaby übernimmt das Ruder und zeigt mir wie man in den Hafen reinfährt, ich habe eine tolle Frau. Abends erkunden wir Kirchmöser, alte Stadt mit einem historischen Bahnausbesserungswerk. Abschiedsessen im Vereinsheim mit den Berlinern, die auch am Abend eingetroffen sind und sich ihrem Schicksal der stromlosen Zeit gefügt haben.

Das Wetter am nächsten Tag ist Durchschnitt, wir wollen heute noch einmal ausgiebig Boot fahren, ist auch unser letzter Tag, den morgen früh müssen wir es zurückgeben. Wir fahren von Kirchmöser in Richtung Brandenburg über die Vorstadtschleuse, Anmeldung zur Schleusung machen wir über Handy und nicht mehr über die Gegensprechanlage am Wartesteg für Sportboote, dies hat einen großen Vorteil, wenn das Schleusenpersonal gut drauf ist geht es gleich in die Schleuse und du brauchst nicht warten.
Von dort fahren wir über die Havel Richtung Großer Zernsee, Schwielowsee in die Potsdamer Gewässer, in diesen Gewässern gibt es auch wieder so rote und grüne Tonnen und schließlich in den Potsdamer Gewässern an einer roten Tone meldet sich unser Echolot „Tiefe wird weniger“ schon wieder Elbe Syndrom , aber zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch gar nicht was das für uns mal bedeutet. Nach diesem herrlichen Tag legen wir abends in Töplitz an und verbringen unsere letzte Nacht auf dem Schiff. Es hat alles gut geklappt und nachdem Gaby als Skipperin das Sagen hat und wir klare Absprachen der Seemannschaft gemacht haben, sind wir voller Tatendrang.
Morgens in Töplitz, wir geben die Pelikan vollgetankt zurück, eigentlich wollen wir das gar nicht, sondern weiterfahren, es war ein toller Urlaub und es hat uns sehr gefallen, jetzt hat uns die Sucht aufs Bootfahren gepackt. Die Fahrt mit dem Auto von Töplitz nach München verläuft auch ohne Probleme, Gaby meint nur ich fahre etwas langsam auf der Autobahn und nicht wie sonst zügig und schnell, vielleicht hat das was mit dem Bootfahren zutun, Gelassenheit stellt sich ein.

 

Kapitel 2

Turbulente Hochwassertage in Bayern, wir sind dauern im Einsatz beim THW und kriegen die ganze Macht des Wassers zu spüren, in Garmisch-Partenkirchen rauschen wir mit unseren Einsatzfahrzeugen durch die überflutete Stadt und versuchen zwei Tage eine vom Wasser eingeschlossene Trafo-Station zu halten, es ist die letzte in Garmisch der Rest hat sich in den Fluten der Loisach verabschiedet, die Station ist wichtig, sonst gibt es in Garmisch keinen Strom mehr. Teilweise wird die Hochwasserlage auch für uns gefährlich und es werden Bundeswehrtransporthubschrauber für unsere Notevakuierung bereitgestellt. Hier spüren wir wie klein doch der Mensch ist, von den Bergen sehen wir was für Wassermassen in die Loisach stürzen und Gaby meint trocken von ihrem Meldekopf, in 10 Minuten haben wir das Malheur hier. Nach einer eintägigen Ruhepause fahren wir dem Wasser hinterher, neuer Einsatzort Erding am Flughafen München, hier versucht der Isar-Kanal eigene Wege zugehen und wir kämpfen mit Feuerwehr, Bundeswehr und Polizei an einem langen Deichabschnitt um ihn zu halten was beinahe in die Hose geht. Bald hören die starken Regenfälle auf und es kehrt wieder Normalität in unserm Alltagsleben ein.

Was den Wassersport angeht hat die Sucht nicht nachgelassen, einen Bootsausrüster haben wir jetzt auch in Taufkirchen bei München entdeckt. Unser Interesse, Schifffahrtskarten, Erlebnisberichte, Fachbücher und noch mehr unnützes Zeug was man braucht oder auch nicht. Bootskleidung braucht der Skipper auch, also munter drauflos gekauft, jetzt erkennt auch der Bootsausrüster einen potentiellen Kunden und bietet uns großzügig eine Rabattkarte an.
Es wird Zeit für einen Messebesuch, die Interboot Friedrichshafen öffnet ihre Tore und wir sind dabei. Jetzt sehen wir die Messe mit anderen Augen, Boote werden genau unter die Lupe genommen und wir klappern auch einige Charteranbieter ab, landen aber wieder an dem Messestand von unserem Yachtcharterer Heinzig, großer offener Messestand, macht einen guten Eindruck, besser als im Vorjahr. Es wird ein langes Gespräch, eigentlich wollen wir mit der Pelikan im nächsten Jahr mal einen Törn von 14 Tagen wagen. Wir werden überredet doch die neue Milan, ebenfalls eine Stahlyacht, zu nehmen, Vorteil größer und teurer als die Pelikan, wir lassen uns überreden und buchen die Milan für den April/Mai im nächsten Jahr.
Im Winter bereiten wir uns auf den Törn im Frühjahr vor, wir lesen Seglerbeichten, Skipper sind die wahren Helden, Schleusenwärters Berg- und Talfahrt und das Buch „Auf dem Wasser ist alles anders“ und noch einige mehr oder weniger gute Fachbeiträge. Was uns wirklich weiter hilft sind die einschlägigen Fachzeitschriften. Ich eile zu unserm bekannten Bootsausrüster nach Taufkirchen und bestelle bei ihm die Törnführer Elbe Band 1+2. Frage des Bootsausrüsters, kann es ein bisschen mehr sein, vielleicht noch ein Schiffstagebuch, wieder unnützes Zeug gekauft oder doch nicht. Wir befassen uns jetzt auch öfter mit der Internetseite von ELWIS (Elektronisches Wasserstraßeninformationssystem der Wasser und Schiffahrtsdirektionen des Bundes) und beziehen diese Informationen in unsere Törnplanung mit ein.
Das Frühjahr 2006 kommt und wir haben unsere Törnplanung abgeschlossen es soll von Töplitz über Magdeburg auf der Elbe nach Tangermünde-Havelberg-Dömitz-Lauenburg und dann in den Elbe-Seitenkanal über Uelzen, in den Mittellandkanal nach Wolfsburg-Haldensleben-Brandenburg-Töplitz gehen.
Drei Wochen vor unserm Starttermin schauen wir noch einmal in das Internet bei ELWIS nach ob alles ok ist. Unter Schleusensperrungen entdecke ich, das die Schleusen Zerben und Wusterwitz(Elbe-Havel-Kanal) Anfang Mai in Revision gehen und gesperrt sind, dass schmeißt unseren ganzen Törnplan um, wir planen neu. Neuer Törnplaner: Töplitz-Genthin(Elbe-Havelkanal)Haldensleben(Mittellandkanal)-Burg(Elbe-Havelkanal)Tangermünde(Elbe )- Havelberg(Havel)-Wittenberge(Elbe) - Havelberg-(Havel)-Grütz(Havel)-Rathenow(Havel)Park Hotel Best -Western(Betzsee)-Töplitz.

Zwei Wochen vor Törnbeginn fängt es in Deutschland an zu regnen und hört nicht mehr auf, die Schneeschmelze in den Mittelgebirgen hat auch eingesetzt. Die Hochwasserlage an der Elbe verschärft sich und es kommen Erinnerungen aus dem Jahr 2002 auf. Wir sehen im TV unsere Kameraden vom THW an der Elbe Sandsäcke stapeln und das in der Nähe von Wittenberge, da wollen wir hin.
Ende April ist gekommen und wir machen uns vollgepackt auf den Weg nach Töplitz, Wetter ist gut und es soll sich in den nächsten Tagen auch nichts ändern. Im Yachthafen Ringel hat sich auch einiges getan, sieht irgendwie moderner aus, die Eigner ihrer Boote sind damit beschäftigt ihre Schätze ins Wasser zulassen, ordentlich was los im Yachthafen Ringel, Saisonbeginn, etwas spät wegen dem schlechten Wetter. Die Übergabe klappt wie schon im Jahr davor ohne Probleme. Die Milan ist ein neues Schiff und genau für längere Fahrten für zwei Personen gebaut worden, wir sind begeistert, Gaby schaut etwas ernst durch die Gegend und meint eine 30Fuß-Yacht ist ganz schön groß. Es ist schon was anderes als die Pelikan, Komfort an allen Ecken und Kanten und ein Bugstrahlruder sowie ein Heckstrahlruder, welch ein Luxus. Wir sind auch diesmal besser vorbereitet was das nützliche Zubehör, wie Handyhalterung und eigene Törnplaner, betrifft. Am anderen Morgen um 08:00 Uhr legen wir von Töplitz ab und fahren in Richtung Brandenburg, die Vorstadtschleuse in Brandenburg kennen wir aus dem letzten Jahr, höfflich melden wir uns über Handy bei der Schleuse an und können ohne Stopp direkt in die Schleusenkammer einlaufen. Das Schleusen wird zur Routine wir haben seit dem letzten Jahr nichts verlernt. Wir fahren weiter Richtung Plauer See um dann in den Elbe-Havelkanal zur Schleuse Wusterwitz. Hier müssen wir an dem Wartesteg für Sportboote, es herrscht starker Berufsschiffsverkehr, vor uns ein Motorsegler in Warteposition am Steg, er hört Funkmeldungen über Wasserstände und mehr, der Revierzentrale Magdeburg. Endlich steht die Ampel an der Schleuse auf Grün und wir können hinter einem Frachtschiff mit dem Motorsegler einlaufen, hier sehe ich wie der Skipper des Motorseglers an der Steuerbordseite, Mittschiffs mit der Leine die Klampe belegt und über die Achterklampe die Leine führt. Das versuche ich auch und es klappt hervorragend, man braucht nur genug Länge. Wieder was dazu gelernt. Gemütlich mit 9km/h tuckern wir durch den Kanal; Richtung Genthin, die Stadt von Herrn Henkel oder besser gesagt Persil, die alte Persil-Uhr steht am Marktplatz. Der Stadteigene Hafen ist neu und toll, alles da, Einkaufen kein Problem, 2 Supermärkte direkt vor der Tür und eine Tankstelle 200 Meter weiter, besser geht es fast nicht. Abends gibt es Dinner im Wohnzimmer des örtlichen Wassersportvereins. Grund, Vereinssitzung im Saal, aber wir dürfen im Wohnzimmer Platz nehmen und werden dort persönlich vom Koch bedient. Bei den anderen Skippern, die nach uns in Genthin angelegt haben, werden die Bestellungen direkt am Schiff aufgegeben und serviert. So was haben wir auch noch nicht erlebt. Spricht für einen guten Service. Alle im Hafen sind begeistert und es ist eine tolle Stimmung.

Morgens fahren wir Richtung Wasserstraßenkreuz Magdeburg, nach passieren der Schleuse Zerben, geht es zur Schleuse Hohenwarthe, hier gibt es folgende Besonderheiten, die Schleuse hat fast einen Hub von 18 Meter und Schwimmpoller. Das Einfahren für Sportboote geht fast nur in Kombination mit der Berufschiffahrt, weil die anschließende Fahrt über den Trog, bzw. Elbe im Einbahnverkehr abgewickelt wird. Bei der Handyanmeldung fragt uns die Schleuse ob wir das erstemal hier einfahren, wir sagen ja und bekommen eine gründliche Einweisung und man wünscht uns viel Glück. Vor uns ein Ausflugsdampfer, der im Schleusenbecken seine Lautsprecher voll aufdreht und „Junge komm bald wieder“ plärrt.
Die Anweisung der Schleusenwärter, Schiff mit Vorder- und Achterleine am Schwimmpoller fest belegen, der Ausflugsdampfer ist unser Führungsschiff über den Trog. Es ist ein tolles Erlebnis wie wir die 900 Meter im Trog über die Elbe fahren, Richtung Haldensleben am Mittellandkanal. Die Fahrt im Mittellandkanal ist recht interessant, zum einen muss man auf die unterirdischen Spundwände aufpassen(Kennzeichnung durch Zeichen) zum anderen wird hier im Bereich Vahldorf mächtig gebaut für die Europaschiffe (Fertigstellung ca. 2007). Wir legen schwungvoll im Hafen Haldensleben an und werden vom Hafenmeisterehepaar Engel freundlich willkommen geheißen. Abends Party an Bord, Eltern und Verwandte sind da, 14 Personen auf dem Schiff und volle Beleuchtung und Musik, Ehepaar Engel hat das Catering bereitgestellt und alle sind begeistert. Am anderen Tag wollen wir meinen Eltern mal zeigen, wie sich so ein Schiff fährt, also Ablegen und die Batterien sind leer, wir gucken alle etwas dumm aus der Wäsche, erstmal beschweren bei Heinzig, telefonisch, Antwort hatte ihr genug Landstrom, hatten wir, aber da war was mit Münzeinwurf am Strompfahl am Steg. Wir haben Party gemacht und vergessen Münzen in den Stromautomaten zu geben und auf die Kontrollleuchte für Landstrom im Schiff hat auch keiner geschaut. Was machen wir, fahren und Batterien laden. Es wird noch eine gemütliche Fahrt auf dem Kanal mit den Eltern, anschließend im Hafen beeilen wir uns Münzen in den Stromautomaten zu werfen um unsere Milan wieder strommäßig Fit zu kriegen. Nach diesem Tag ist Ruhe angesagt, am nächsten Morgen brechen wir auf Richtung Wasserstraßenkreuz Magdeburg, an der neuen Liegestelle des Mittellandkanals Vahldorf legen wir Mittags an, um meinen Cousin, der direkt in der Nähe des Kanals wohnt zu besuchen, es wird eine lustige Kaffeerunde. Jetzt fahren wir Richtung Rothensee zum Wasserstraßenkreuz, vor uns ein Schubverband aus Polen, höfflich melde ich mich bei der Schleuse Hohenwarthe, für Trog und Schleuse an, Antwort, Führungsschiff Schubverband, Gegenverkehr hat Vorrang und immer hinter dem Polnischen Schuber hinterher bzw. das machen was er auch macht. Nächste Frage kennen sie sich mit unserer Schleuse aus, wir sagen ja, sind ja schon vor zwei Tagen von der andern Richtung hier durchgerauscht. Vor der Schleuse müssen wir warten, Millionen von Mücken überfallen den Ruderstand, wir flüchten in den Salon und holen aus unserer Bordapotheke, dass Gegenmittel, Mückenspray und nebeln uns richtig ein. Nach der Freigabe für die Schleusung geht bei uns alles wieder routinemäßig, jeder Handgriff sitzt und wir können wieder in unserem Schiffstagebuch eine Schleusung abhacken. Vor der Schleus Niegripp (Elbe Havelkanal) in Richtung Elbe, großer Stau der Berufschiffahrt, wir tuckern weiter zum Hafen Burg. Herzlich Willkommen in Burg, habt ihr heute Abend Lust auf frisch geräucherte Forellen und Bratkartoffeln, natürlich haben wir, eine klasse Begrüßung.

Am frühen Abend rauscht eine weiße Gruno Stahlyacht aus Richtung Berlin an unserm Hafen vorbei, stopp auf, wendet auf dem Teller und läuft in den Hafen ein, Name der Yacht Karat und eine Zulassungsnummer BRB-KH......., Eine Yacht aus dem Charterflottenpark Heinzig aus Töplitz, man hat unser Boot sofort erkannt und will hier im Hafen die Nacht verbringen, außerdem hat man Probleme mit der Stromversorgung, kennen wir irgendwie.
Die Forellen waren göttlich, der Hafenmeister als Koch und Wirt ist sterneverdächtig gut und aus Sicht von Gaby ein Kandidat für den Varta-Führer oder sogar für den Michelin. Am anderen Morgen, im Hafen schleicht ein Monteur mit der Aufschrift Ringel rum und sucht eine weiße Gruno Yacht, hier können wir helfen und zeigen auf unseren Nachbarn. Vor unserer Abfahrt aus Burg ruf ich noch bei der Wassersportgemeinschaft Rogätz/Elbe an, ob wir dort heute anlegen können, erstmal keine Antwort am Telefon, dann die Auskunft, wenn wir an einen Steg anlegen wollen der mitten im Wasser liegt ohne Strom und ohne Landzugang würde er uns auch keine Hafengebühren berechnen, es ist Hochwasser. Nächster Anruf in Tangermünde beim Wassersportverein, Anlegen geht nur ein bisschen hoch, Duschen und WC sind vom Hochwasser einmal durchgespült worden, aber bis heute Abend hätte man zu mindestens eine Dusche und WC klar und Landstrom geht per Kabeltrommel, weil aus Sicherheitsgründen die Stromverteiler am Steg abgebaut sind. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, zur Sicherheit rufe ich telefonisch bei der Revierzentrale Magdeburg an, ob die Elbe überhaupt schiffbar ist, es fehlt ELWIS und ein Notebook mit UMTS an Bord, dass muss sich beim nächsten mal ändern. Die Revierzentrale erklärt uns, fahrbar schon aber aufpassen, Bäume und andere Gegenstände im Wasser und die Buhnen sind wegen dem Hochwasser unter Wasser nicht sichtbar. Hier kriegen Gaby und ich, eine kleine Vorstellung vom Elbe Syndrom, aber als gestandene THW-Helfer haben wir schon ganz andere Dinge erlebt, Leinen los Richtung Schleuse Parey und dann in die Elbe. In der Schleuse Parey kriegen wir noch gute Ratschläge vom Schleusenwärter, Warschau halten, Augen auf vor Hindernisse im Wasser, dass WSA ist zwar pausenlos unterwegs um Bäume und andere Dinge aus der Elbe zu fischen, dass ist aber keine Garantie. Jetzt haben wir die Elbe vor uns, bei Mittelwasser liegt die Tiefe der Fahrrinne zwischen 2 und 2,70m, wir haben Hochwasser und unser Echolot zeigt Werte zwischen 6- 9m an. Die Landbaken sowie die Lage- und Übergangsbaken stehen teilweise unter Wasser oder im Wasser und einige Tonnen die lt. Törnführer da sein müssten sind auch verschwunden, hier bewährt sich unser Törnführer Elbe Band 2, wir wissen immer genau wo wir sind und können uns in dieser Seenlandschaft, die eigentlich ein Fluss sein soll, orientieren. Das Fahren in der Mitte vom Strom ist kein Problem, Wasser ist genug da. Erstes Büschel vor uns im Strom, was sich bei Annäherung als ausgewachsener Baum entpuppt, es war unser einziger Baum während der 3 Tage-Tour .Vor der Einfahrt in den Hafen von Tangermünde zeigt unser Echolot 10m, im Törnführer steht, immer langsam an der Spundwand längs wegen der flachen Wasserstände, dass können wir uns heute sparen.

Wir liegen im Hafen von Tangermünde in Augenhöhe mit dem Clubheim des Wassersportvereins, über einen Bretterzugang geht’s vom Steg direkt in die Sanitärräume bzw. was davon übriggeblieben ist. Aber die Clubkameraden wuseln auf dem ganzen Gelände rum und räumen auf. Was die offizielle Internetseite von Tangermünde verspricht und auch die Hinweise im Törnführer Elbe Band 2, treffen voll zu, hier muss man einen Stopp einlegen und einen Tag verweilen, schon im Hafen am alten Speicher heftiges Geschrei, drei Turmfalken, zwei Männchen streiten sich um das Weibchen, dahinter auf einem Schornstein viel Geklapper von einem Storchenpaar. Es ist schönstes Wetter und wir fahren mit unseren Bordfahrräder durch Tangermünde, eine historische Altstadt mit einem Schloßhotel und der Schul- Gaststätte „Kuhschwanz“ neben der Stadtkirche, es ist einfach schön hier, auf der Anhöhe des Schloßhotels mit einen fantastischen Blick in die Weite sehen wir das ganze Ausmaß der Überschwemmung der Elbe, teilweise steht das Wasser vor und hinter den Deichen es ist eine große Seenlandschaft, Elbe Syndrom oder nicht. Das Abendessen im Kuhschwanz ist toll, die alte Schule ist jetzt Gaststätte und man hat alles so gelassen wie es früher war, Speisekarten als Notenheft. Abends im Hafen kommt die Karat in den Hafen gedonnert wie ein Zerstören auf Patrouillenfahrt, stoppt auf und legt an, durch den Wellenschlag klemm ich mir den Finger durch die zuschlagende Achterkajütentür, der ganze Nagel ist Blau. Großes Palaver auf der Karat, man hat wieder keinen Strom, vermutlich alle Batterien leer. Am anderen Morgen komme ich aus der einzigen Dusche im Hafen und schon wieder schleicht ein Monteur von Ringel rum, sucht die Karat, ich kann wieder helfen und zeige auf unseren Nachbarn. Nach dem Frühstück große Hektik auf der Karat, es werden Batterien getauscht, jetzt soll auch sie ihre stromlose Zeit verlieren. Wir machen unser Ablegemanöver unter den strengen Blicken des Ringel-Monteurs und der Crew von der Karat, schließlich ist Gaby am Ruder und ich klar die Festmacher auf. Souverän setzt Gaby, Bug- und Heckstrahlruder ein, und gleitet in ruhiger Fahrt aus den Hafen, eins wollen wir noch ausprobieren, ein Stück gegen den Strom. Wir haben vor über Havelberg nach Wittenberge zu fahren und das sind für die Rückfahrt von Wittenberge nach Havelberg ca. 30 Kilometer gegen den Strom.
Die kurze Testfahrt gegen den Strom verläuft zu unserer Zufriedenheit, wir machen bei starker Gegenströmung immerhin noch 8km/h, der Drehzahlmesser zeigt 2300 U/M. Wir wenden und fahren Elbabwärts, an Schloss-Storkau vorbei und auf Höhe Arneburg fährt die Gierseilfähre frei, also ohne Seil, wegen dem Hochwasser. Die nächste Gierseilfähre in Sandau fährt auch ohne Seil, wieder kein Problem für uns. Wir halten schön in der Mitte vom Strom weil die ganzen Buhnen unter Wasser sind und die Lage und Übergangsbaken nur noch teilweise zusehen sind, an den Bäumen die auch meterhoch im Wasser stehen erkennt oder ahnt man die Uferbegrenzung. Jetzt kommt die Einfahrt in den Schleusenkanal zur Schleuse Havelberg, trotz Vollgas werden wir mächtig von der Strömung der Elbe abgetrieben und kommen man grad so eben in den Kanal rein, telefonische Anmeldung Schleuse Havelberg, Dialog: Frage der Schleuse wo kommt ihr her, Antwort Elbe möchten gerne in den Winterhafen Havelberg, Frage Schleuse wirklich Elbe, wir sagen ja und bekommen sofort die Freigabe in die Schleusenkammer, dort müssen wir dem Schleusenwärter erstmal alles erzählen was da draußen so los ist.

Ankunft im Winterhafen Havelberg, hier waren wir im letzten Jahr schon mal mit der Pelikan, der Hafenmeister kommt an den Steg und begrüßt uns, ein fränkischer Charterboot-Skipper steht am Steg , hat unsere Bayrische Fahne an der Gösch entdeckt und es wird viel erzählt. Die Wasserstände in der Havel sind auch ziemlich hoch, es hat den Stromverteilerkasten im Winterhafen zerlegt, stand voll unter Wasser, aber das Sanitärgebäude ist ok, hat nichts ab bekommen. Abends weist der Hafenmeister eine ältere führerscheinfreie Crew auf einem Voyager-Hausboot ein, man legt zur Einweisungsfahrt ab und kommt nach ca. ½ Stunde in den Hafen zurück, dass Anlegemanöver geht voll in die Hose, mit stolzer Fahrt und alle Mann an Deck, mit einem etwas hilflosen Hafenmeister am Bug rauscht das Boot auf den Steg zu , es kommt was kommen muss, laute Geräusche, splitterndes Holz vom Steg, fliegende Kunststoffteile vom Boot und einen Hafenmeister mit Zornesröte im Gesicht. Die Charter-Crew bekommt die Auflage, den Hafen erst zu verlassen wen das Loch im Bug repariert ist und sie einen Skipper auftreiben der einen Sportbootführerschein Binnen hat. Wir gehen Abends durch Havelberg es hat sich nichts verändert, immer noch ein schönes altes Städtchen, nur in der Innenstadt auf der Insel, stehen immer mehr Geschäfte leer, dass fällt uns auf. Abends rauscht die Karat durch die Havel in Richtung Werftmarina gegenüber von uns, ist schon ein tolles Schiff und der Skipper weis das auch, so wie der fährt und anlegt, sieht ziemlich professionell aus. Nächster Tag, an der Schleuse Havelberg, Richtung Elbe, wir informieren uns über die Durchfahrtshöhe der Eisenbahnbrücke Wittenberge, 4,20 Meter wird uns gesagt, da passen wir durch. Gute Ratschläge über Treibgut bekommen wir auch, Augen auf beim fahren. Die Strömung der Elbe ist genau so stark wie am Vortag, zwischen Kilometer 426,50 und 427,00 (linkes Ufer) liegt eine Sandbank, Name Mausloch, ist durch Tonnen gekennzeichnet, aber bei diesen Hochwasserständen kein Problem. Vor uns WSA-Boot „Gorleben“ (WSA= Wasser und Schiffahrtsamt) sucht die Elbe nach Treibgut und losgerissenen Tonnen ab. Wir kommen am Anleger Hinzdorf vorbei und fahren weiter in Richtung Wittenberge. Kurz vor der Eisenbahnbrücke Wittenberge sehen wir den alten Wasserturm der Singer (Nähmaschinenwerke) mit seiner Uhr, nach passieren der Brücke suchen wir die Hafeneinfahrt zum Sportboothafen Nedwighafen, eigentlich müsste vor uns Land sein und die Hafeneinfahrt, es schaut aber nur eine Baumkrone aus dem Wasser, dahinter ein Schwimmsteg in Augenhöhe der Hafengaststätte „Zum Fährmann“, die Parkplätze mit Stellplätzen für Wohnmobil sind im Wasser verschwunden, es schauen nur noch ca. 1m die Parkplatzlaternen aus dem Wasser, mit einem Schild dran „Achtung Spundwand unter Wasser“, wir legen als einziges Boot am Schwimmsteg an. Stromanschluß suchen wir vergeblich, alles abgeklemmt. Oben am Deich, Menschenauflauf, man schaut auf unser Schiff, wir gehen zur Gaststätte um uns anzumelden, oben angekommen, alles mit Sandsäcken verbaut, dass haben wir doch im TV gesehen, wie unsere Kammeraden vom THW hier tätig waren.

Herzlich Willkommen in der Wasserwüste Nedwighafen werden wir begrüßt, Strom gibt es leider nicht, aber sonst ist alles Tipp Top, Frühstücken könnt ihr auch morgen, weil ein Pensionsgast hier wohnt, sagt uns noch die Wirtin. Wir machen unsere Bordfahräder klar und radeln über Kopfsteinpflaster durch Wittenberge, von den Elbtalauen sehen wir nicht viel weil alles unter Wasser steht, 1903 wurden hier in Wittenberge die Singer Werke gegründet, dann das historischen Rathaus, dass Steintor mit dem Torwächterhaus und die kleine Einkaufsmeile in der Bahnhofstrasse. Abends legt neben uns noch eine Motoryacht an, man kommt aus Berlin und ist auf Überführungsfahrt nach Glückstadt. Gemeinsam mit der Saga-Crew gehen wir abends im Fährmann essen, es ist eine gemütliche Rund und es wird viel Seemannsgarn gesponnen. Morgens Frühstück für wenig Geld im Fährmann, insgesamt sind wir drei Gäste, aber ein Frühstück für zehn, wir sind pappe Satt und das reicht bis zum Abend. Auf der Elbe Richtung Hamburg rauscht die „Dresden“, Passagierschiff, der Deilmann Reederei vorbei, der Kapitän braucht sich wegen der Wasserstände auch keine Sorgen machen. Wir fahren vorsichtig aus dem Hafen raus und gegen die Strömung bolzen wir nach Havelberg. Für die 32 Kilometer brauchen wir, bei Gashebel auf dem Tisch, 5 Stunden bis zum Winterhafen Havelberg. Hier bleiben wir zwei Tage, erkunden die Gegend und ruhen uns aus. Abends laute Party im Hafen von einem Schiff mit afrikanisch klingenden Namen, viele Gastlieger werden aus dem Schlaf gerissen und der Hafenmeister muss sich am anderen morgen einiges anhören, wobei er sehr großen Wert auf seinen frisch verliehenen“ 4 Sterne Hafen“ legt. Am zweiten Tag laufen wir von Havelberg aus, der Hafenmeister gibt uns noch die Information, das auf Grund der Schleusensperrungen Wusterwitz und Zerben, (Elbe-Havel-Kanal) die Berufsschiffahrt den Umweg über die Untere Havel Wasserstraße fährt und hier mit einigem Verkehr zu rechnen ist, außerdem hat die Havel wie die Elbe Hochwasser. Gleich hinter Havelberg, Richtung Rathenow sehen wir wieder bei schönsten Wetter Seenlandschaften, alles überflutet, die Uferstreifen kann man nur ahnen, durch die im Wasser stehenden Baumreihen, also wie auf der Elbe“ Warschau“ halten. Die Schleuse Garz können wir ohne Schleusung passieren, alle Tore sind offen, aber Polnisches Binnenschiff von vorne. Unser Treibstoff wird knapp, wir beschließen in Grütz zu tanken.
Nach der Schleusung in Grütz, hier haben wir wieder normalen Wasserstand, legen wir bei starken Seitenwind im Hafen Grütz an. Unsere Milan wird an der Steuerbordseite heftig vom Seitenwind attackiert und Gaby hat alle Hände voll zu tun in die richtige Box reinzukommen, aber mit Hilfe des Hafenmeisters und einem Skipper gelingt uns das im zweiten Anlauf auch. Tanken können wir nicht und Diesel will man auch nicht beschaffen so die Auskunft, die Vorratstanks sind leer, zu essen gibt es auch nichts, die Gaststätte ist geschlossen, die Duschen und Toiletten sind aber geöffnet, dass berechtigt nun zum kassieren der vollen Liegegebühren. Wir sind etwas sauer.

Am anderen morgen, Frühstück auf dem Achterdeck, Storchengeklapper von links, Kuckucksruf von rechts und in der Mitte vor uns, auf einer Weide alles voll Kraniche. Viel Bewegung im Wasser, hinter unserem Schiff gleitet ein Biber, Richtung Ufer, so toll haben wir unser Frühstück auch noch nicht genossen. Jetzt fahren wir nach Rathenow, es ist Landesgartenschau, Anmeldung Hauptschleuse Rathenow, Ablehnung zum Passieren, Stadtschleuse benutzen, hinter uns Flusskreuzfahrtschiff, Gaby übergibt mir für das Wendemanöver das Ruder, bei schwierigen Manövern haben wir uns abgesprochen, dass ich das Ruder übernehme. Telefonische Anmeldung bei der Stadtschleuse, keiner nimmt den Anruf entgegen, von der Straßenbrücke vor der Schleuse, ruft ein Passant herunter, Der Schleusenwärter würde in seinem Häuschen sitzen, also mach ich mich nach viel turnerreih um an Land zukommen auf den Weg zum Häuschen und richtig, ein etwas schläfrig aussehender Mensch schaut mich an und fragt , wirklich Schleusen ! Er kommt meiner Bitte nach und beginnt mit dem Schleusenvorgang, alles geht gut und wir legen im Hafen des Rathenower Kanu-Verein an, großes Hallo, man kennt uns noch vom letzten Jahr als wir mit der Pelikan da waren, es wird viel erzählt und man ist auch sofort bereit unser Dieselproblem zu lösen. Wir bleiben zwei Tage, die Landesgartenschau genießen wir bei schönsten Wetter, besichtigen, den Bismarkturm und die schöne Stadt. Nächster Tag, das Wetter ist nicht so schön aber wir genießen die Fahrt in Richtung Brandenburg, kurz vor der Vorstadtschleuse Brandenburg biegen wir über Backbord in den Beetzsee, hier ist das Leistungszentrum für den Rudersport. Genaues Ansteuern zum Liegeplatz des Best Western Hotels am Beetzsee, ein kleiner idyllischer Hafen am Hotel, wir sind das einzige Boot und Bunkern am Steg erst einmal Wasser, denn unser Wassertank ist fast leer. Freundliche Begrüßung an der Hotelrezeption durch eine mehrmalige Olympiasiegerin im Rudersport, alles etwas teurer, aber incl. Frühstücksbuffet, Saunabenutzung, incl. Dusche und WC, Bademäntel und Föhn.
Am nächsten Tag Ausfahrt Hotelhafen, Richtung Vorstadtschleuse Brandenburg, gleich hinter dem Hafen, eine Untiefe, Elbe Syndrom. Vorsichtig setzen wir die Milan zurück und fahren mit einem weiten Bogen bis fast an die Markierung der Ruderregattastrecke an der Untiefe scharf vorbei, dass geht ganz schön an die Nerven wenn das Echolot nur noch 0,30cm zeigt und blinkt. Telefonische Anmeldung Vorstadtschleuse Brandenburg, können gleich in die Nordkammer einfahren und werden allein geschleust. Nun tuckern wir über die Havel in den Sarcow-Paretzer Kanal Potsdam entgegen, es geht unter der Glienicker-Brücke (Spionen- Austausch im Kalten Krieg) erstmal zum Discount-Markt-Anleger in Potsdam, übrigens der einzige Markt mit Bootsanleger in Deutschland. Nach unserem Einkauf, fahren wir zum Yachthafen Potsdam, idealer Standort, nur wenige Minuten bis zum Schloss Sanssouci, in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt, Bahn und Bus direkt vor dem Liegeplatz und Berlin ist auch nicht weit. Wir besichtigen ausgiebig Schloss Sanssouci und das Neue Palais. Am nächsten Tag fahren wir dort hin, wo in den 50er Jahren “Pack die Badehose ein“ gesungen wurde, der Wannsee, oder auch die Badewanne Berlins, hier ist alles etwas luxuriöser, die Häuser die Yachthäfen und die Schiffe werden auch immer größer:

Jetzt wird es Zeit an die Rückfahrt zu denken, über Potsdam und die die schmale Durchfahrt von Caput, hier hat schon Albert Einstein gewohnt, fahren wir durch den Schwielowsee, wieder Untiefe, hört das den nie auf, nach Töplitz. Wir wollen wie im letzten Jahr das Schiff eigentlich nicht abgeben, sondern weiter fahren, aber der Urlaub ist zu Ende. Gaby und ich haben uns bei dieser Fahrt als Team gut verstanden und vor allem keine lautstarke Unterhaltung gehabt.
Wir wissen jetzt, dass wir auch größere Törns machen können und was wichtig ist, wieder viel, viel gelernt!!

 

Kapitel 3

Wir sind wieder zu Hause und der tägliche Alltagstrott hat uns wieder. An den Wochenenden gibt es wieder Maritimes, wir überlegen, ob es nicht in unserer Nähe auch Möglichkeiten gibt, Charterboot zu fahren, es kommen Donau, Rhein-Main-Donaukanal und der Bodensee in Frage. Eine Ausdehnung des Reviers auf Nord- und Ostsee kommt nur in Frage wenn einer von uns, den Sportbootführerschein See macht, Binnen ist ja bei uns vorhanden. Nach reichlichen Nachforschungen im Internet und den bekannten Boots-Fachzeitschriften entdecken wir zwei Angebote am Bodensee und eines in Saal a. Donau. Das erste Charterunternehmen in der Nähe von Bregenz in Österreich besuche ich im Rahmen einer Geschäftsreise nach Lindau. Großer Reinfall, Boot zwanzig Jahre alt, einer bekannten norwegischen Werft, sieht entsprechend aus und die Chartergebühren jenseits von Gut und Böse. Zweiter Versuch in Unteruhldingen in der Nähe von Meersburg, einen Familienbetrieb im Hafen von Unteruhldingen, macht alles einen guten Eindruck, blitzsaubere Schiffe und der Preis ist auch in Ordnung. Wir buchen einen Bodensee-Törn für drei Tage auf einem Halbgleiter der Marke Inter 8800, einem norwegischen GFK-Boot, für Anfang August. An der Donau gibt es zurzeit keinen Anbieter von Charter-Booten, hier geben wir unser Suche erst einmal auf.
Fußball-WM in Deutschland, Gaby und ich sind von der Arbeit freigestellt und für das THW im Einsatz. Da sechs Spiele in München stattfinden, müssen wir unsere Kameraden und die Polizei aus München unterstützen. Es wird eine ruhige und friedliche WM.
Termin bei dem bekannten Bootsausrüster, wir brauchen einen Törnführer Bodensee, gibt’s nicht, wie gibt es nicht, kann doch gar nicht sein, im Internet gibt es Törnführer Bodensee und das Handbuch „Leg an“, bei einem Bootsausrüster im Hafen Kressbronn zwischen Lindau und Friedrichshafen. Am Wochenende fahren wir dort hin und sind erschlagen von diesem Yachthafen, BMW-Racing-Segelrennyachten gleich 5 Stück, Segelyachten von Klein bis Groß und ganz Groß, Motoryachten ähnliche aber nicht so viele. In der Luxus-Bootsausrüsterarena erstehen wir den Törnführer Bodensee, dahinter Hotel mit Yachtschule und Charterverleih von großen Segelyachten mit bayrisch klingenden Werftnamen. Bistros, Restaurants und jede Menge Schulungs- und Seminarräume .

Den Törnführer Bodensee, studiere ich sehr gründlich.
Anfang August, wir schlagen in Unteruhldingen am Bodensee auf und werden herzlich von Familie Weber empfangen, eine gründliche Einweisung sowie jede Menge Handbücher gibt es auch. Die Inter 8800 ist für uns beide wie geschaffen und hat mehr PS, als die Grunos, die wir kennen, ist ja auch ein Halbgleiter. Die erste Stunde machen wir uns mit dem Boot vertraut, Bugstrahler gibt es auch. Ein Zeppelin auf Rundflug ist über uns bei diesem schönen Tag. Wir machen einen weiten Bogen Richtung Schweiz und dann nach Österreich. Die Wassertiefen sind traumhaft von 15- 254 m zeigt das Echolot. Gaby ist voll in ihrem Element, oder man nennt das auch, souveräne Schiffsführung. Am frühen Nachmittag laufen wir in Lindau, Kleiner See ein, hier liegt man sehr ruhig und ist direkt an der Insel-Lindau. Der BSH-Hafen Lindau war uns zu voll. Aber die Ansteuerung rund um die Insel Lindau, bedarf einer gewissen Sorgfalt. Westlich und östlich von Lindau sind die Untiefen Hexenstein und Insel Hoy, hier muss man genau nach den Seezeichen fahren sonst lauert das Elbe Syndrom. Wir schlendern den ganzen Tag durch die historische Inselstadt und lassen es uns bei einem Abendessen gut gehen. Bei bewölkten Himmel und Westwind Stärke 5 verlassen wir Lindau am nächsten Tag, Richtung Kressbronn, am Steg legen wir an und holen uns Info-Material für den Sportbootführerschein See. Einen Kaffee im Bistro genehmigen wir uns noch um dann Richtung Schweiz abzulegen. Es nieselt und der Wind frischt auf Stärken 7-8. Am Bodensee spricht man auch vom Legerwall, dass sind Fallwinde aus den Bergen, die plötzlich und schnell auffrischen. Aber dies ist kein Legerwall, die Sturmwarnleuchten warnen mit orangefarbenen Blinklichtern vor Starkwind, eine Segelyachtcrew neben uns legt Rettungswesten an und macht die Lifeleinen klar. Wir nehmen Kurs auf Romanshorn in der Schweiz, da der Bodensee internationales Gewässer ist, setzen wir die Gastlandflagge auf der Steuerbordseite was nicht so einfach ist bei diesem Wetter, Gaby gibt mir meine Schwimmweste und sagt mit strengen Blick, anziehen, man kann die souveräne Schiffsführung auch übertreiben, an Deck bin ich froh das ich die Weste angezogen habe, reichlich Rauwasser und ich werde nass bis auf die Haut, nur um die kleine Schweizerfahne zu setzen. Der Wind frischt immer mehr auf und wir machen 15kn Fahrt um schnell in den Hafen zu kommen, inzwischen hat der gesamte Bodenseeraum Sturmwarnung. Der Hafen von Romanshorn hat noch einen Liegeplatz für uns. Nach uns stürmt alles was schwimmen kann in den Hafen von Romanshorn und liegt Päckchenweise, sogar die Slipanlagen sind mit Schiffen belegt. Gastfreundlich werden wir vom Hafenmeister begrüßt, der Yachthafen ist schön und großzügig ausgebaut, sowie stadtnah. Wir nutzen das schlechte Wetter und machen einen Bummel durch Romanshorn, hier gibt es eine wichtige Fährverbindung nach Deutschland(Friedrichshafen), außerdem ist hier auch ein Eisenbahnknotenpunkt. Der mächtige Gaugraf Waltram hat das Gebiet um die alte Kirche und das Schloss als seinen Besitz erkoren. Im Schloss wohnten während des Mittelalters die Obervögte des Klosters St Gallen und sorgten für Zucht und Ordnung. Sonst ist nicht viel los in Romanshorn, abends essen wir im Yachtclub. Am anderen Tag schlafen wir aus und fahren nach dem Frühstück, Richtung Konstanz und die Insel Reichenau.

Das Wetter hat sich nicht gebessert, wir haben eine Wellenhöhe von 1,50m-2,50m bei Windstärken von 7-8. Gaby überlässt mir das Ruder bei dieser Rauwasserfahrt. Im Konstanzer Trichter, dass ist der Seeteil vor Konstanz, herrscht Hochbetrieb. Hier tummeln sich Sportfischer, Segel- und Motoryachten sowie die Berufsschiffahrt. Auf der Höhe Konstanz kommen wir in den Seerhein, dies ist die Verbindung zwischen Ober und Untersee, dass Fahrwasser ist durch Seezeichen und Wyfen gekennzeichnet. Außerhalb des Fahrwassers wir es sofort flach, aber mächtig, wir sehen bei klaren Wasser die Felsen unter Wasser und bekommen ein ungutes Gefühl, Elbe Syndrom. Das Echolot wird jetzt genau beobachtet und zeigt noch ca. 1-2m Tiefe unter dem Boot an. Irgendwie sind wir Stolz, den wir fahren auf dem Rhein, an Gottlieben, an der Schweizer Seite, vorbei, Richtung Insel Reichenau. Das Anlegen am Steg der Insel Reichenau ist nicht so einfach, mächtiger Wellenschlag und Windböen, Gaby hat das Ruder und ich versuche mit den Festmachern, natürlich mit Schwimmweste , einen Dalben am Steg zu erwischen, unter großen Beifall der Tagesausflügler auf der Insel gelingt es mir das Boot fest zu machen. Die Insel ist UNESCO Weltkulturerbestätte, hier kann man sehr schön spazieren gehen und die Klosterinsel erkunden. Am Nachmittag starten wir die Rückfahrt nach Unteruhldingen, es wir eine stürmische Rückfahrt, die einiges von unserem Können verlangt. Wir legen aber sicher im Hafen an und geben, dass Boot zurück. Dieser Törn war einmal ganz was anderes, was wir bisher gewohnt waren, es hat viel Spaß gemacht und wir haben wieder eine Menge gelernt, z.B. das Anlegen römisch/katholisch sowie fahren bei Sturm, können wir jetzt auch.

Kapitel 4

Wir haben Spätsommer und den letzten Törn für dieses Jahr vor, zu unserer Seemannschaft stößt Uwe mein Schwager, er hat Urlaub und ist auf Entdeckertour seit 4 Tagen in Potsdam und im Raum Berlin. Wir übernehmen unser Schiff, die Paloma, eine 33 Fuß-Yacht, im Yachthafen Töplitz. Gaby meint schon wieder, dass Schiff ist ja noch Größer als die Milan (30 Fuß). Auch ein schönes Boot, alles da und vor allem Platz ohne Ende, ausreichend für drei oder vier Personen. Wir legen am Nachmittag ab und fahren durch den Sarcow-Paretzer-Kanal, Richtung Wannsee. Hier kommen wir am Abend in der Marina Lanke an und bleiben über Nacht. Morgens stellen wir fest, wir haben die Bootsmützen vergessen und fahren mit den Bordfahrrädern zu dem bereits allseits bekannten Bootsausrüster, denn er hat eine Filiale in Berlin und hier haben unsere Rabattkarten auch Gültigkeit. Am späten Vormittag erreichen wir die Schleuse Charlottenburg mitten in Berlin, in der Spree Wasserstraße. Uwe und ich tauschen die Decksplätze beim Schleusenmanöver, auf Anweisung von Gaby. Uwe hat zwar zuhause viel über Seemannschaft gelesen und auch Knoten geübt, aber jetzt haben wir die Praxis und keine Theorie, dass wird sich mit der Zeit auch noch einspielen. Nach der erfolgreichen Schleusung bei schönstem Wetter, haben wir viel Verkehr, Sportbootfahrer, Segler unter Motor und jede Menge Ausflugsschiffe. Vor uns eine Motoryacht mit Heimathafen Töplitz, Charteryacht wie wir, mit dem Namen Passat. An Deck der Passat ist mächtig was los, Sekt sowie Häppchen werden gereicht und tolle Stimmung.

Die Brücken auf der Spree werden schmaler in der Durchfahrtshöhe. Gaby übergibt mir das Ruder, Abmachung; außergewöhnliche Manöver führe ich durch. Wir haben bestes Wetter und passieren das Schloss-Bellevue, Sitz des Bundespräsidenten, jetzt kommt ein Höhepunkt nach dem anderen, Bundeskanzleramt, Berliner-Hauptbahnhof, Charité Krankenhaus, Bundestag mit Übergang zum Reichstag, Bahnhof Friedrichstraße und die Museumsinsel mit dem Alex. Hier muss man bei dem Fahrmanöver aufpassen, sehr, sehr viel Schiffsverkehr und Wellenschlag. Schleuse Mühlendamm passieren wir nach kurzer Wartezeit. Wir erreichen Neukölln und schippern unter der Oberbaumbrücke durch, am Schnittpunkt der Stadtteile Kreuzberg, Treptow und Friedrichshain, steht der „Molecule Man“ eine Aluminium Figur, im Wasser. Unser Weg führt uns zur Dahme-Wasser-Strasse, hier hat ein Yachthafen im Internet, fantastische Sonnenuntergänge versprochen. Die Gegend ist toll, Schloss Köpenick lassen wir an der Backbordseite liegen und erreichen den Liegeplatz „ Altes Fährhaus“, bei Anlegen befolgt Uwe vom Achterdeck, Gabys Anweisungen sehr genau, Festmacherleine auf Slip am Dalben, aber es kommt was kommen muss, Uwe nimmt den Begriff Festmacher wörtlich und verknotet alles, großes Durcheinander, geschnauzte von Gaby in Richtung Bruder, ich stehe am Bug etwas hilflos rum. Aber bald haben wir alles im Griff und Uwe bekommt von Gaby noch eine Schulung was das Anlegemanöver betrifft. Am Nachmittag fahren wir mit der Straßenbahn, 300m vom Hafen, nach Köpenick, wir sagen dem alten Hauptmann von Köpenick am Rathaus guten Tag und schlendern gemütlich durch diesen schönen Berliner Stadtteil. Abends große Erwartung im Hafen, wo bleibt der versprochene Sonnenuntergang bei diesem schönen Wetter? Aber die Internet-Seite behält recht, er kommt, vom Achterdeck genießen wir das Schauspiel. Gaby ist ihrem Bruder bei diesem Anblick auch nicht mehr böse und wir tauschen am nächsten morgen die Decksplätze, Uwe ist am Bug besser aufgehoben und ich kann achtern schnell die Arbeiten erledigen und notfalls nach vorne kommen um meinen Schwager zu unterstützen. Das Ablegen klappt und wir schippern Richtung Königs Wursterhausen, ich stehe am Ruder und fahre gemütlich auf eine Regatta mit Optimisten zu, große Aufregung der Begleitboote. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, Kursänderung und langsam auf die Schleuse Neue-Mühle zu. In Königs Wursterhausen hat man versucht eine neue Brücke zwischen zwei Betonsockeln einzupassen, was gründlich in die Hose ging, der rechte Teil, der Brücke liegt schräg auf dem Boden, davor WSP-Boot was die Havarie absichert, den der Hafen von Königs Wursterhausen ist gesperrt. Wir fahren weiter in Richtung Teupitzer-Gewässer, es herrscht himmlische Ruhe in dieser schönen Gegend und jeder an Bord hängt einen eigenen Gedanken nach, Fisch- und Seeadler kreisen am Himmel und Heerscharen von Wasservögel sind unterwegs. Man ist nur wenige Kilometer von Berlin entfernt und doch in einer anderen Welt. Vor Groß-Köris werden wir wieder alle wach, Elbe Syndrom, Echolot zeigt null Tiefe, großer Schreck, vorsichtiges Fahren, ich habe immer noch das Ruder und taste mich langsam vor, in den kleinen Kanal zur Hubbrücke.

Es kommt vor dem passieren der Hubbrücke der Große Modersee, keine schlechte Bezeichnung, wir sind drei Boote und suchen mit viel Geigerei unseren eigenen Fahrweg, man merkt beim Gas geben, dass nicht viel Wasser unter dem Schiff ist und von der Schraubendrehung wird Grund an die Wasseroberfläche befördert. Das geht hier ganz schön an die Nerven und vor allem Ruhe bewahren, solange die anderen noch fahren müsste es eigentlich gehen.
Endlich wird nach durchqueren des Modersees die Tiefe wieder einigermaßen passabel, dafür ist das Signalhorn unserer Yacht ausgefallen. Nachmittags Anlegen im Hafen von Teupitz. Schöner Platz und gut ausgebaut, mitten in Teupitz. Ein kleiner niedlicher Ort, wo wir abends in einem kleinen Schloss essen. Wieder Sonnenuntergang an Deck und in der Nacht sehen wir viele Sternschnuppen am sternenklaren Himmel. Hier bin ich Mensch, hier darf ich es sein, oder so ähnlich. Am späten Vormittag tuckern wir vorsichtig zurück auf die Dahme Wasserstraße nach Zeuthen. Klasse Liegeplatz bei einem bekannten Bootshaus. Zeuthen ist auch nicht schlecht, von hier direkte S-Bahn Verbindung nach Berlin, abends große Radtour mit unseren Bordfahrrädern immer am Wasser längs, krönender Abschluss, Essen beim Griechen. Schon wieder Sonnenuntergang und Sternschnuppen, es wird etwas unheimlich aber schön. Nach späten Aufstehen wollen wir heute in die Rüdesdorfer Gewässer, wir passieren die Schleuse Woltersdorf bei Km 3,78, Ziel Stienitz-See, Echolot Tiefe 0, Elbe Syndrom, lt. Sportbootkarten soll es hier in diesen Landesgewässern eine Tiefe von 1,50m geben, wir haben 0,86m Tiefgang Boot. Wir merken beim Gas geben, dass unser Boot sich nicht mehr in Bewegung setzt und sich mit viel Mühe mit Schubarbeiten am Grund beschäftigt. Bei einer Dücker-Verbreiterung, wende ich unser Boot auf dem Teller und verlasse diesen Ort so schnell es geht, nach ausreichender Tiefe übergebe ich Gaby das Ruder, ich mag nicht mehr. Wir kommen am Nachmittag in der Schleuse Wolterdorf an und wollen anschließend durch den Müggelsee zum Wassersportzentrum Berlin an der Müggelspree. In der Schleuse kämpft ein Charterboot mit der Kammer, wir halten ausreichend Sicherheitsabstand, nach Ende des Schleusenvorgangs und halb abgesenktem Schleusentor, dass Ausfahrtsignal in der Kammer steht auf Rot, setzt sich das bewusste Charterboot in Bewegung, ein blasser Schleusenwärter läuft schreiend über seine Anlage, wir rufen auch nach Leibeskräften, aber das Boot setzt seine Fahrt unbekümmert und ohne Schaden fort, der Skipper schaut unschuldsvoll in unsere Richtung .Glück gehabt, dass hätte auch anders ausgehen können. Jetzt rauschen wir durch den Müggelsee in der Fahrrinne, an Backbord WSP, passt auf das keiner die Fahrrinne verlässt. Die Müggelspree ist wunderschön, man fährt an Wassergrundstücken vorbei und schon sind wir im Wassersportzentrum Berlin, der Hafenmeister zeigt uns erstmal seinen „Eisfreien Hafen“, durch Unterirrdische Druckschläuche sprudelt das Wasser im Winter und somit ist der Hafen eisfrei, tolle Vorführung, die er da macht. Der Hafen ist auch schön, Supermarkt, Tankstelle, Straßenbahn zur S-Bahn nach Berlin-City, Yachtausrüster und Klasse Restaurant mit Cocktailbar. Nach dem Ausschlafen am nächsten Morgen, tuckern wir durch die Mühlendamm Schleuse in die Berliner-City, zum Stadtanleger Berlin-Mitte, 2 Min zur Friedrichstrasse.

Wir unternehmen einen großen Stadtbummel durch Berlin mit allem was dazugehört. Uwe schleicht sich ins Adlon-Hotel mit der fadenscheinigen Ausrede er müsste mal auf Toilette, so kann er das Foyer und die Einrichtung bestaunen und vielleicht sieht er auch einen Promi. Wir waren schon oft in Berlin, aber es ist immer wieder anders. Nachmittags legen wir ab Richtung Wannsee zur Marina Lanke.
Wir passieren die Schleuse Charlottenburg und kommen am Abend in der Marina an. Nächster Tag tanken in Potsdam, bei der Weißen Flotte, hier ist der Sprit am billigsten, ein Sportboot aus Dresden drängelt sich unverschämter Weise vor, der Skipper hilft uns aber danach beim Anlegen an der Tankstelle und entschuldigt sich für seine Tat, nachdem er Gabys bösen Blick gesehen hat. Hinter Caput, Höhe Schwielowsee wird es wieder Flach, kennen wir schon vom letzten Mal. Bei klarem Himmel legen wir am Nachmittag in Ketzin an, kleiner Fischerort, ordentlich, sauber und aufgeräumt, mit einer sehr guten Gaststätte die eine hervorragende Fischerplatte zum Essen serviert. Es ist unser letzter Abend und wir sitzen auf dem Achterdeck an der Havel, wieder Sternenklar und Sternschnuppen sowie Geschnatter der Wasservögel. Leichter Morgennebel am nächsten Tag, beim Ablegen stellen wir fest, dass unserem Ballonfender die Luft ausgegangen ist. Nach 1 Stunde Fahrzeit erreichen wir Töplitz und geben das Boot zurück. Wir bringen Uwe zum Bahnhof, er fährt nach Bremen und wir tuckern oder fahren gemütlich auf der Autobahn nach Hause. War eine gute Seemannschaft wir Drei, Uwe hat auch viel dazu gelernt und wir werden auch immer sicherer beim Bootfahren. Keine lautstarke Unterhaltung an Bord, wir werden immer besser.
Unterwegs meint Gaby, wir könnten ja im nächsten Jahr mit der Paloma einen 3 Wochentörn machen, jetzt wird sie aber mutig meine Frau, außerdem ist morgen Messe in Friedrichshafen, wir sind noch nicht einmal zuhause und sie redet schon vom nächsten Tag. Autofahrt von München nach Friedrichshafen, ich hab ja sonst nichts zu tun, an diesem Wochenende. Interboot Friedrichshafen ist wieder groß und toll, wir genießen die Atmosphäre und träumen vom eigenen Boot, die Realität holt uns aber schnell ein bei diesen Preisen. Am Messestand unseres Bootsvermieters Heinzig aus Töplitz fragen wir nach, ob man mit der Paloma auch auf Seewasserstraßen fahren kann. Grundsätzlich ja, aber sie muss zusätzlich ausgerüstet werden. Wir buchen für Ende April/Anfang Mai für das nächste Jahr einen 3 Wochentörn. Ein Frühbucherrabatt wird auch noch gewährt. Am Messestand des Wassersportunternehmens-Hafen Kressbronn bucht Gaby einen 1 wöchigen Kurs, Sportbootschein See, für den März 2007. Wir schauen noch bei einigen Bootsausrüstern vorbei und machen uns dann auf den Heimweg

 

Kapitel 5

Im Herbst müssen wir wegen Renovierungsarbeiten an die Küste zu unserem Ferienhaus. Meine Eltern haben wir auch schon einige Zeit nicht gesehen und besuchen sie in der Nähe von Bremen. Abends kommen wir auf die Idee meine Tante in Hamburg zu besuchen und hier gibt es auch einen Hafen, einen ganz speziellen „City Sportboothafen Hamburg“. Die Passage von Töplitz nach Hamburg in den Hamburger Hafen sehen wir beide als sehr schwierig, nach einem ausführlichen Schnack mit dem Hafenmeister vom Sportboothafen und anschließender Besichtigung sind wir begeistert. Jetzt kann uns eigentlich nichts mehr von diesem Törn abhalten.
Die „Wassersucht“ ist da, Gaby und ich fahren zu unserem Bootsausrüster nach München-Taufkirchen, es werden Törnplaner, Seekarten, Navigationsbesteck, Kompass und anderes unnützes Zeug gekauft, was man mehr oder weniger für einen Törn braucht. Uwe wird überredet mit zukommen, er wollte eigentlich im nächsten Jahr nach Alaska.
Lernfieber:
Gaby paukt für ihren Sportbootschein See, ich gerate auch in den Prüfungsstreß, muss sie dauern abfragen. Gaby entwickelt einen Ehrgeiz der alles in den Schatten stellt. Sonntag der 18.3.2007, heute ist für Gaby Prüfungstag, sie ist schon eine ganze Woche im Kressbronner Wassersportzentrum am Bodensee, die ganze Familie, Bekannte und Kollegen drücken die Daumen. Wie nicht anders zu erwarten hat sie es geschafft. Frauen halt. Einen Tag vorher war ich wieder bei unseren Bootsausrüster (Hausmesse), die Tür wird schon automatisch geöffnet wenn wir Stammkunden kommen und es Rabatte gibt.
Gaby hat in Kressbronn einen Windmesser entdeckt und meinte so etwas können wir auch gebrauchen und wieder unnützes Zeug gekauft. Das Bootscenter nebenan hat auch Hausmesse, will Boote verkaufen. Man kann ja mal schauen und die neue Bella Motor-Yacht strahlt mich schon seit einem Jahr an, so lange steht sie schon in der Ausstellung, Träumen sei gestattet. Auf die Schulter wird mir auch noch geklopft, eine Geschäftspartnerin von mir hat sich gerade einen Bayliner für 46.000,00€ gekauft. Frustriert fahre ich von Taufkirchen nach Hause, der nächste Tag kann eigentlich nur besser werden. Nun beginnen langsam die Vorbereitungen, Proviantlisten werden erstellt und vieles mehr, ist ja schon ne Menge Zeug fürn 3 Wochentörn. Gaby ist von der Prüfung der letzten Woche sehr erschöpft und liegt Krank im Bett.
Ende April, die Seesäcke und Proviantkisten sind gepackt und wir starten am 26.4.2007 morgens nach Töplitz. Das einzig was uns Sorgen bereitet, sind die niedrigen Wasserstände der Elbe, es hat seit Wochen nicht geregnet und die Schneeschmelz gibt es nicht, der Winter war zu warm. Wir haben vor der Abreise die letzten Informationen aus dem Internet bei ELWIS eingeholt, die Pegel von Magdeburg bis Lauenburg sprechen eine deutliche Sprache, es geht gerade noch. Ich habe immer noch kein Notebook mit UMTS gekauft, dass muss sich beim nächsten Törn ändern.

Uwe ist auch pünktlich mit dem Zug aus Bremen gekommen. Im Yachthafen Töplitz sehen wir, dass unser Bootsvermieter ganze Arbeit geleistet hat. Die Motoryacht Paloma hat volle Sicherheitsausstattung, Rettungsinsel, Signalkörper, Flaggenzeichen, Radarreflektoren und vieles mehr. Wir fahren ja Seeschiffahrtsstrasse. Eine Seezulassung vom Wasser und Schiffahrtsamt Brandenburg hat sie auch am 23.4.2007 bekommen. Wir starten am Nachmittag bei schönstem Wetter nach Ketzin und vergessen am Steg in Töplitz den Elektroadapter für den Landanschluss. Wenn das so weiter geht. Aber es gibt ja unseren Bootsvermieter, schnell wird der Adapter zum Seesportclub Ketzin nachgeliefert.
Die NIF-Meldungen (Nautischer Informationsfunk) über die Revierzentrale Magdeburg bringen keine guten Nachrichten, wegen der Trockenheit fallen die Wasserstände der Elbe ständig. Schleuse Parey von dem Elbe-Havel-Kanal in die Elbe, hier müssen wir auf ein Boot der WSP Brandenburg warten, nach freundlicher Begrüßung geht es ab in die Elbe. Die Einfahrt Hafen Tangermünde ist heute flach, sehr flach, der Törnführer Elbe hat jetzt recht, immer schön langsam an der Spundwand längs, letztes Jahr bei Hochwasser hatten wir genügend Wasser unterm Kiel, heute fängt unser Echolot an wilde Alarmsignal aus zustoßen, Beginn des Elbe Syndroms. Uwe lädt zum Abendessen ins Schloss Tangermünde, tolle Idee.
Am nächsten Morgen, Aufbruch nach Wittenberge und immer schön in der Fahrrinne bleiben, sowie die Übergansbacken beachten, sonst bist du bei diesen Wasserständen verloren. Heutige NIF-Meldung über Funk, fallende Wasserstände. Den Hafen von Wittenberge erreichen wir am Nachmittag, hier ist der Bär los, Brandenburger Radler-Tour, 3000 Radler und der Motoryachtclub Gorleben macht seinen ersten Törn nach Wittenberge, wobei die Gorlebener ziemlich genervt aussehen, die Wasserstände machen Probleme. Schon wieder des WSP-Boot vom Vortag.
Heutige NIF-Meldung über Funk, fallende Wasserstände.
Die Gorlebener wollen so schnell wie möglich nach Hause, man redet schon von einer Verlegung der Boote nach Lauenburg, damit man in dieser beginnenden Saison überhaupt fahren kann. Wir wollen heute einen langen Schlag machen von Wittenberge nach Bleckede um endlich aus dieser flachen Elbe rauszukommen. Nach einem Eiertanz in der Fahrrinne, es wird immer flacher, schlägt das Elbe Syndrom erbarmungslos zu, es ist Sonntag 11:00 Uhr. Auf der Höhe Flußkilometer 486 Elbe, ereilt uns das Schicksal, einmal nicht aufgepasst, von der Fahrrinne abgekommen und 4,00 Meter neben der Fahrrinne auf eine Untiefe aus Steinen aufgelaufen. In der Sprache der Seefahrt ein Grundsitzer. Große Aufregung, die Sicherheitseinweisung vor Törnbeginn bewährt sich jetzt. Die gesamte Crew trägt sofort Sicherheitswesten und durchsucht das Schiff, Wassereinbruch sowie sonstiger Zustand des Bootes. Ergebnis kein Wasser.

Notfall-Meldung an die Revierzentrale Magdeburg, Zusage es wird alles weitere veranlasst. Meldung an unseren Yachtcharterer und vor allem Ruhe bewahren.
Anruf Wasserschutzpolizei Hamburg, wir sind zuständig aber unser Boot hat zu großen Tiefgang, wir können nicht kommen, verständigen die Kollegen aus Wittenberge. Anruf Revierzentrale Magdeburg, wie es uns geht, es kommt bald Hilfe, er hat Druck gemacht bei der WSP.
Heutige NIF-Meldung 11.15 Uhr über Funk: Sécurité, Sécurité, Elbe Km 486 Grundsitzer Steuerbord zu Tal, neben der Fahrrinne, Sog und Wellenschlag sind zu vermeiden. Das sind wir.
Anruf WSP- Wittenberge, wir legen um 12:00Uhr ab und sind ca. um 13:30Uhr bei euch. Wir sind voll in der Pampas, Seeadler, Biber und Fischotter sind die einzigen Lebewesen in unserer Umgebung, nur Gegend, ist sicherlich schön wenn man fahren kann, aber wir haben einen Notfall. Es kommt Rettung in Form eines Binnenschiffes mit Namen PERUN aus der CZ. Es bringt Sog und Wellenschlag und spült uns von den Steinen, dahinter mit Blaulicht die WSP, es ist das gleiche Boot mit derselben Besatzung, das wir vorher schon zweimal gesehen haben. Wir laufen in Begleitschutz der WSP in den Hafen von Lenzen ein, mit vielen Schaulustigen am Fähranleger. Das Boot macht bei hoher Drehzahl Geräusche von der Schraube, vermutlich Schraube defekt. “Hab Dank“ der WSP-Wittenberge, Insider der WSP wissen was ich meine, gibt es auch noch eine kostenpflichtige Verwarnung, dafür aber eine längere Erkundungsfahrt auf dem WSP-Boot zur Haveriestelle. Wir brauchen einen Kran um das Boot auf Schäden zu untersuchen, nächster Kran im Hafen Dömitz, Fahrzeit ca. 2 Stunden es ist Sonntag, wir bleiben in Lenzen und werden bei Kaffee und Kuchen von dem Hafenmeisterehepaar getröstet.
Heutige NIF-Meldung über Funk, fallende Wasserstände.
In Begleidschutz des Motorseglers „FORTUNA“ fahren wir mit langsamer Fahrt nach Dömitz, zur dortigen Werft, Treffen mit unserem Bootscharterer aus Töplitz, unsere Vermutung das die Schraube defekt ist wird bestätigt, sonst ist alles heil geblieben, aber die Kaution ist hin. In Dömitz redet alles von der flachen Elbe und wir bekommen den Rat noch heute Nachmittag, Richtung Bleckede auszulaufen, sonst geht hier nichts mehr. Schnell und Fachmännisch wird die Schraube ersetzt, die Ruderanlage überprüft und noch einige Sachen, man hat noch Vertrauen in uns und lässt uns weiter fahren. Jetzt lässt uns das Elbe Syndrom nicht mehr los und schlägt erbarmungslos zu. Die Ausfahrt aus der Werft wird zum Abendteuer, der eigene Kutter der Werft zieht eine Fahrrinne auf dem Grund, damit wir überhaupt hier noch rauskommen um in die Elbe einlaufen können. Mit vollem Gashebel auf dem Tisch, schiebe und hebe ich das Boot vom kleinen Werfthafen in die Elbe, Uwe hebt den Daumen und signalisiert damit Hoffnung.

Der Törn von Dömitz nach Bleckede wird grausam und schwierig, teilweise ist die Fahrrinne unter 1,00 Meter, reine Nervensache, die Rudergänger, dass sind Gaby und ich, Uwe liest Faust um sich abzulenken, glauben nach langer Zeit wieder an den lieben Gott. Auf der Höhe von Hitzacker wird das Fahren zum reinsten Geschiebe im Schlick, aber mit Volldampf durch. Wir kommen irgendwie in Bleckede an, die Crew ist von der Anspannung total fertig, nach einem Essen beim Italiener geht es früh in die Kojen und wir schlafen endlich mal aus.
Heutige NIF-Meldung über Funk, fallende Wasserstände, aber Bleckede hat 1,50 Meter, Übrigends schöner Hafen mit Tankstelle.
Am frühen morgen großes gescheppere auf der Elbe, Höhe Hafenausfahrt Bleckede, Schub- Verband mit Container kommt in voller Fahrt zum Stillstand, voll auf Grund gelaufen. Die Container führen an Deck einen großen Tanz auf. Wieder hat das Elbe Syndrom zugeschlagen. Nach viel Gegeige und Rückwärtsfahren, setzt der Schubverband vorsichtig seine Fahrt fort. Wir fahren äußerst vorsichtig aus dem Hafen von Bleckede, ich stehe am Ruder, wir merken, dass die Wasserstände von 1,50 Meter Fahrrinne ständig tiefer werden, je näher wir an Lauenburg herankommen. Um 12:15Uhr treffen wir im Hafen Lauenburg ein und legen einen Tank- und Kaffestop ein. Heute Nachmittag ist an der Seeschleuse Geesthacht, der Übergang von Hochwasser zu Niedrigwasser, (Tidegewässer) für uns optimale Bedingungen mit dem Strom zu fahren. Hinter der Seeschleuse gleiten wir Elbabwärts zum Hafen Stover-Strand, dies ist ein Yachthafen mit angeschlossenen Campingplatz mit einer sehr guten Infrastruktur, es ist alles da was das Herz begehrt. 365 Tage offener Supermarkt und eine gute öffentliche Verkehrsanbindung nach Hamburg.
Heutige Seefunkmeldung von Elbe Traffic: Schönes Wetter und genug Wasser
Wir fahren mit der Tide und sparen Treibstoff und Zeit, bei ablaufenden Wasser spült uns die Elbe in den Hamburger Hafen, zum City Sportboothafen Hamburg, besser geht’s nicht, alles da, Überseebrücke, Landungsbrücke, Alter Elb-Tunnel, Speicherstadt, Michel, U-Bahn , usw. Der City Sportboothafen Hamburg, ist ein internationale Sportboothafen, man merkt das sofort, neben uns zwei Russen aus St. Petersburg, auf einem 30 Fuß-Seegelboot auf Weltumseglung.
Am langen Pier 3-Master Segelschiffe aus Holland und an den Landungsbrücken liegt die „MIR“ eines der größten Segelschiffe der Welt, in 10 Tagen ist Hafengeburtstag. Der Sportboothafen hat einen Jahresdurchlauf von ca. 10.000 Booten. Der Hafenmeister begrüßt uns recht herzlich und ich bin irgendwie Stolz wieder in meiner Heimatstadt zu sein. Wir bleiben zwei Tage und fühlen uns richtig wohl, einen Bordempfang für unsere lieben Verwandten gibt es natürlich auch und es wird viel erzählt. Uwe lädt zum Essen im Portugiesenviertel mit anschließendem Abschlußtrunk auf dem Feuerschiff im Hafen, wieder eine tolle Idee, spart Geld aus der Bordkasse.

Heutige Seefunkmeldung Elbe Traffic: Schönes Wetter genug Wasser.
Ohne Funk wird es auf der Unterelbe und im Hafengebiet schwierig, wir sind froh, dass wir so etwas an Bord haben.
Mächtiger Verkehr im Hafen und ordentlicher Wellenschlag, aber das Fahren macht richtig Spaß, so an den dicken Pötten vorbei. Auf Barkassen und Schlepper sowie Schwimmbagger, groß und größer, muss man besonders achtgeben. Wir lassen uns von der Elbe bei ablaufendem Wasser bis nach Glückstadt spülen, wieder viel Treibstoff gespart.
Im Segleraußenhafen, er hat eine Wassertiefe bei NW von 1,50Meter, ist viel los, aber wir bekommen noch einen der letzten Plätze mit römisch/katholischem Anlegen. Glückstadt ist ein schönes kleines Städtchen in Schleswig-Holstein, abends großes Matjesbuffet bei einem bekannten Restaurant in Glückstadt, Gaby kauft Geschenke für unsere Hausmeisterin daheim.
Heutige Seefunkmeldung Elbe Traffic: Schönes Wetter, Wind bis Stärke 4-5 in Böen 6-7 aus Nord/West, genug Wasser.
Wir haben das Elbe Syndrom in den letzen Tagen vergessen und genießen, diese schöne Landschaft an der Unterelbe. Nachmittags um 14:00Uhr ist erst auflaufendes Wasser in Glückstadt, wir beschließen uns noch ein Stückchen Elbabwärts treiben zulassen bis Brunsbüttel, um dann den Übergang von Niedrigwasser zu Hochwasser zu nutzen um zur Segelvereinigung in den Hafen Wedel zu kommen. Wieder fantastische Fahrt nach Wedel und Besuch des Wilkommenshöft Schulau, hier bedanken wir uns noch für die bayrische Nationalhymne die am Vortag bei unserer Vorbeifahrt nach Glückstadt gespielt wurde. Große Freude auf beiden Seiten. Der Hafen von Wedel ist groß und schön und vor allem „Vornehm“, hier spürt man die Nähe zu Hamburg und die hanseatische Vornehmheit.
Heutige Seefunkmeldung Elbe Traffic: Diesiges Wetter, Wind Stärke 3-4 in Böen 5-6 aus West, genug Wasser.
Heute wollen wir nachmittags von Wedel nach Stover-Strand in die Nähe von Geesthacht. Auflaufend Wasser erst um 14:00Uhr, so lange müssen wir warten, wenn wir nicht gegen das ablaufende Wasser bolzen wollen. Es wird eine schöne Fahrt, aber die Schiffe werden immer größer, Container-Pötte (250m Lang 60m Hoch), über Funk hören wir die Revier-Führung, Elbe Traffic, wir werden als Kleinfahrzeug bezeichnet, ich beschließe kein Wort mehr mit Elbe Traffic zu reden.
Im Hamburger Hafen wird es richtig eng, Container-Schiff Groß von vorn, Container-Schiff Mittel von hinten. Schlepper und Zollboot von Steuerbord, Barkasse von Backbord und wir mitten drin.

Die Revierführung Elbe Traffic hat alles im Griff, wir können nach einem Funkspruch am Container Feeder-Schiff „Comet“ Backbord vorbei ziehen und haben wieder Platz. Stover Strand empfängt uns mit diesigem Wetter, wir wollen Grillen aber sicherer ist die Kombüse.
Heutige NIF-Meldung Revierzentrale Minden. Ausreichend Wasser in den Kanälen aber Elbe- Lübeck- Kanal zu wenig Wasser. Für Sportboote an den Schleusen bis zu 1 Stunde je Schleuse , Wartezeit.
Die Fahrt nach Lübeck und in die Ostsee können wir vergessen, es reicht die Zeit nicht. Also nach Lauenburg in den Stadthafen bei Regen. Lauenburg ist eine schöne Stadt und der Hafenmeister kocht extra am Abend nur für uns, besser geht es nicht.
Heutige NIF-Meldung Revierzentralle Minden, ausreichend Wasser in den Kanälen und vom Himmel.
Gestärkt nach einem guten Frühstück im Skippertreff Stadthafen Lauenburg, dreht Gaby den Zündschlüssel auf dem Boot auf Start, und es ertönen alle Alarmsignale, kein Elbe Syndrom, der Öldruck ist nicht ok. Wir prüfen alles durch und finden den Fehler nicht. Anruf bei unserem Yachtcharter, es wir versucht per Ferndiagnose am Telefon den Fehler auf die Spur zu kommen, vergeblich. „Wir kommen“ so die Meldung aus Töplitz. Nachmittags große Fehlersuche, der Kabelbaum hat einen Kurzen und wird repariert. Weiterfahrt erst am nächsten Morgen.
Heutige NIF-Meldung Revierzentrale Minden alles ok, Regen.
Wir verlassen die Elbe am Abzweig Elbe-Seiten-Kanal Richtung Uelzen. Ade Elbe, wir sind schon öfter auf dir gefahren, aber solche Probleme wie bei diesem Törn hatten wir noch nie. In Zukunft werden wir bei diesen niedrigen Wasserständen die Strecke Magdeburg-Lauenburg meiden und lieber den Umweg von 20 Km über den Mittellandkanal, Elbe-Seiten-Kanal wählen.
Nächster Höhepunkt, Schiffshebewerk Lüneburg, von 0 Meter auf 38 Meter im Trog, war ein tolles Erlebnis. Deftiges Spargelessen im Yachthafen Uelzen, gefällt uns auch gut hier aber auf ordentlichen Schwell muss man sich einstellen, wenn die Binnenschiffe an der Hafeneinfahrt vorbei rauschen, von Sog und Wellenschlag haben die auch noch nie gehört. Nachmittags besuchen wir die Stadt Uelzen, Hundertwasser Bahnhof mitten in der Lüneburger Heide ansonsten nur Landschaft und immer geradeaus auf dem Kanal. Nach passieren der Schleuse Uelzen frischt der Wind auf, wir fahren Richtung Fallersleben am Mittelland-Kanal, kurz vor dem Abzweig, mächtige Böen, unser Windmesser zeigt eine Böe mit 80 Kilometer Windgeschwindigkeit an, unser Verdeck auf dem Fahrstand des Bootes gerät ganz schön in Bewegung.

Das Anlegemanöver im Hafen von Fallersleben wird einfach, Gaby steht am Ruder, eine starke Böe drückt das Schiff genau an den Steg, Uwe und ich können sofort die Festmacher belegen, Gaby gibt von oben das Kommando zum Fest machen, aber es ist alles schon passiert und unsere Skipperin schaut ziemlich erstaunt auf uns herab. Männer halt. Hier im Hafen hat man an alles gedacht, vor allem an die Gastlieger.
Dänen sind unterwegs auf ihren Booten, Richtung Mittelmeer, Gaby und ich spüren, so etwas wollen wir auch mal machen. Nachts um 02:50Uhr. Schwere Gewitter, starke Böen, ich kontrolliere das Boot und die Festmacher, der Rest der Crew schläft. Am nächsten Morgen mit der Taxe zur Autostadt Wolfsburg, man braucht schon einen ganzen Tag um hier alles zu sehen. Die Autostadt hat auch einen eigenen Bootsanleger bzw. Hafen wo man gut liegen kann.
Heutige NIF-Meldung Revierzentrale Minden, eine Sécurité Meldung hinter Wolfsburg an einer Brücke, Tauchereinsatz der Feuerwehr. Sog und Wellenschlag vermeiden. Sonst alles ok.
Wir fahren nach passieren der Schleuse Sühlfeld auf dem Mittellandkanal in Richtung Haldensleben zur Familienfeier. Es ist schön in Haldensleben zu sein, wir machen das zum zweiten Mal. Hafenmeisterehepaar Engel hat alles im Griff und wie immer das Buffet und die Getränke vorbereitet, ich treffe meine Eltern wieder, ein großes Hallo und es wird viel erzählt. Treibstoff wird auch noch gebunkert, elende Schlepperei von 20 Liter-Kanistern.
Heutige NIF-Meldung Revierzentrale Minden alles ok.
Wir haben lange geschlafen und es geht weiter von Haldensleben nach Burg (Elbe-Havelkanal), heutiger Höhepunkt, der Trog über die Elbe und das Passieren der Schleuse Hohenwarthe. Über die Trogbrücke der Elbe sehen wir, wie wenig Wasser die Elbe hat. Uwe schießt ein Foto nach dem anderen. Er macht sich ganz gut an Bord und hat sich voll in die Seemannschaft eingelebt.
„Herzlich Willkommen in Burg“ dröhnt der Hafenmeister von seinem Steg, es gibt wie immer abends ein deftiges Essen in der Hafenklausse und man fühlt sich wohl. Am nächsten Tag ausgiebige Stadterkundung mit unseren Bordfahrräder.
NIF-Meldung Revierzentrale Magdeburg: Fallende Wasserstände, trotz Regen und Begenungsverbot Baustelle Schleuse Wusterwitz nach Absprache über Funk.
Heute wollen wir von Burg nach Brandenburg, in der Schleuse Zerben ist unsere achterliche Schleusenleine zu kurz und wir kommen bei Windböen, hinten von der Schleuseninnenkammer ab, ruhig führt Gaby ihr Schiff und legt es nach einem schwierigen Manöver wieder an die Wand. So ein Theater hat uns gerade noch gefehlt. Ich bin stolz auf meine Frau. Ich stehe am Ruder, Baustelle Wusterwitz, hier wird mein ganzes Können bei der Bootsführung verlangt, Lückenspringen mit einer Motoryacht von einer Baustellenlücke in die andere, bei starkem Berufsschiffahrtsverkehr, nicht so mein Ding.

Abends legen wir bei sehr schlechten Wetter und starken Regen, im Bootscenter Chlupka in Brandenburg an. Auch ein schöner Platz, alles da. Bei strömenden Regen brechen wir am nächsten Morgen mit einer Taxe auf in Richtung Stadt Brandenburg. Wir sind enttäuscht, überall sind die Wände und Häuser beschmiert, hier gefällt uns das nicht. Nachmittags besuchen wir das Technische Museum „Stahlwerk Brandenburg“, die Leute geben sich viel Mühe und machen den schlechten Eindruck weg, den wir von Brandenburg haben.
Heutige NIF-Meldung der Revierzentrale Magdeburg, gleichbleibenden Wasserstände.
Unser heutiger Törn geht nach Ketzin, wir laufen in die Vorstadtschleuse Brandenburg ein und unser Bugstrahlruder sagt keinen Mucks mehr. Also nach alter Vätersitte anlegen. Ketzin ist alles voll, wir beschließen am Nachmittag in Töplitz einzulaufen, hier wird sofort kontrolliert was mit dem Bugstrahlruder los ist, Stromkontakt defekt, nach einigen Handgriffen hat der Monteur auch dieses Problem gelöst, wir beschließen in Töplitz zu bleiben. Abends, großes Abschiedsessen der Crew.
Es war viel, bei Beginn der Reise zu viel.
Aber wir haben nie Aufgegeben und alles doch geschafft.
Es war eine gute Seemannschaft, Gaby(Skipperin), Peter(Matrose First Grad) und Uwe (Matrose in Ausbildung, kurz vor dem Abschluss).
Und wir haben das Elbe Syndrom jetzt im Griff, viel dazu gelernt, so etwas nennt man Erfahrungen sammeln und erleben. Die Schmerzgrenze bei uns, ist jetzt eine Wassertiefe von 1,20 Meter unter dem Boot, dann werden wir nervös. Den Holländern sagt man nach, dass sie bei 1,50Meter nervös werden. Also haben wir einen Spielraum von 30cm. Na ja, ob das so stimmt sei einmal dahin gestellt. Wieder keine lautstarke Unterhaltung während des Törns an Bord.

 

Kapitel 6

Nach den abenteuerlichen Turbulenzen bei unseren Elbe-Törn im Frühjahr, waren Gaby und ich wild entschlossen, einen weiteren Bootstörn zu wagen. Mit unserem Charterer in Unteruhldingen am Bodensee wurde im Juni ein Törn für September gebucht, dass Ende der Bootssaison 2007 wollten wir auf den Märkischen Gewässern bei Berlin erleben.
Aber zunächst kam im Juli alles anders, ich wurde von einem Virus (Erkältungssymptome) infiziert, der mir fast das Leben kostete. Dank unseres Kreisfeuerwehrarzt (gleichzeitig unser Hausarzt) der alles rechtzeitig erkannte, wurde ich nach einem 3 ½ wöchigen Krankenhaus-Aufenthalt am Ammersee gerettet. In dieser Zeit sagten wir alle Buchungen ab, weil wir nicht wussten wie es weiter geht. Nach befragen der Ärzte wurde für das Hobby ein „OK“ gegeben und wir konnten unsere Planungen fortsetzen.

Zwei Wochen vor Reisebeginn zum Bodensee wurde wieder unnützes Zeug gepackt, was wir nicht wirklich für diesen Törn brauchten. Eine gewisse Routine zur Vorbereitung eines Bootstörns macht sich bemerkbar, schnell erkannten wir, dass wir nur 5 Tage fahren wollten und nicht 3 Wochen wie im Frühjahr. In Unteruhldingen bei Familie Weber kamen wir Montagmorgen an und wurden wie immer toll begrüßt. Die Übernahme und Einweisung der Inter 8800, Name Komet, war Routine, wir kannten das Boot schon aus dem Vorjahr. Bei strahlendem Wetter ging es los zum westlichen Bodensee-Ende nach Ludwigshafen-Bodmann, Ludwigshafen war bereits zu Anfang des letzten Jahrhunderts Transitplatz für Waren und Zollgrenze zur Schweiz und Österreich. Ein alter Kran aus dem frühen19. Jahrhundert ist noch heute zu sehen. Weithin sichtbar erhebt sich das „Großherzogliche Badische Hauptzollamt“ am Yachthafen, dieses Gebäude steht heute unter Denkmahlschutz. Jetzt machen wir einen langen Schlag von Ludwigshafen nach Lindau. Hier fühlen wir uns wohl, der kleine Stadthafen ruhig gelegen und doch mitten in der historischen Inselstadt. Das alte gotische Rathaus erbaut 1422-1436, sowie der einzige bayrische Leuchtturm an der Hafeneinfahrt mit einer Höhe von 33 Meter und flankiert vom bayrischen Wappentier, den Löwen, der auf den See hinausschaut.
Der Wetterbericht sowie das Barometer verspricht nichts Gutes für den nächsten Tag, Sturm, Starkregen und Rauwasser bei 2-3Meter Wellenhöhe. Wir bleiben länger in Lindau, war toll und der Beginn einer 5 Tägigen Speisetour nur mit Bodenseefischen. Am dritten Tag besuchen wir unsere Freunde vom Wassersportcenter in Kressbronn im Yachthafen, die Freude war so groß, dass ich beim Festmachmanöver am Steg ins Wasser falle und um unser Boot herumschwimmen muss um an Bord zu kommen. Das Wiedersehen mit Gaby und ihren Ausbildern war herzlich, es wurde doch sehr ausführlich über einen Matrosen gelästert, der heute beim Anlegen einer Motoryacht in das Hafenbecken gefallen ist. Wer den Schaden hat, brauch für den Spott nicht zu sorgen. Nach einem erholsamen Vormittag bei Kaffee im Bistro des Yachthafens und Aktivierung des Wäschetrockners für meine nassen Klamotten, ging es weiter. Ein Navigationstörn bei schönstem Wetter führt uns von Kressbronn nach Arbon. Die Seebucht von Arbon ist eine der ältesten bekannten Siedlungsstätten im Bodenseeraum. Hier entdeckte man umfangreiche Ufersiedlungen (Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit 3500-2500 v Chr.). Arbon ist eine schöne Stadt mit alten Riegelhäusern, die typisch sind für die Schweizer Orte am Bodensee. Der Yachthafen, Träger die Stadt Arbon, stellt alles was wir bisher kannten in den Schatten, Gemeinschaftshaus für Gastlieger, Ruheräume, Fernsehraum mit Internet und W-LAN Anschluss, Aufenthaltsraum für schlechtes Wetter sowie hochmoderne Duschen und WC- Räume, die beim öffnen der Türen automatisch Stereo- Musik erklingen lässt. Der Hafenmeister ist auch sehr stolz auf seinem Hafen, bei 10€ Liegegebühren All Inklusiv, waren wir sehr zufrieden. Die Stadt wurde besichtigt wie Museum und Schloßturm. Nach einem erholsamen Schlaf an Bord und einer ausführlichen Erklärung bei der Bio-Bäckerin beim Brötli-Kauf (Brötchen), wo ich in die tiefsten Geheimnisse des Vollkornbrötchen und deren Herstellung eingeweiht wurde, machten wir uns auf den Weg in Richtung Konstanz und weiter nach Reichenau und Steckborn (Schweiz). Bei schönsten Wetter und viel Berufsschiffahrt machte das Fahren richtig Spaß.

Wir passierten die Engstelle in Konstanz, mit ihren doch sehr nahen Untiefen aus Fels, die man durch das Wasser sehen kann.
Auch das durchqueren des Untersees mit seinen doch 8,3 Kilometer ausgewiesenen Fahrweg, den man tunlichst nicht verlassen sollte wegen der Untiefen, machte keine Probleme. Wir haben anscheinend, dass Elbe Syndrom überwunden, bzw. wir können jetzt damit besser umgehen. Das eigentliche Ziel sollte die Insel Reichenau sein, da man die Engstelle der westlichen Insel und dem Festland genau in der Mitte treffen muss (lt. Törnführer), ansonsten Untiefen und Felsen, verlies uns bei einem Wasserstand von 2 Meter unter dem Schiff der Mut. Die Erfahrung der Elbe war doch wieder da. Gemeinsamer Entschluss der Besatzung, wir haben Urlaub und wollen keinen Stress, als neuer Hafen Steckborn in der Schweiz. Das war ein Volltreffer, eine schöne alte Stadt mit 3500 Einwohnern, toller Yachthafen, eine alte Stadtmauer und einen Turm aus dem 1300 Jahrhundert mit der Wohnung des Abts. Nach einem ausführlichen Frühstück in Steckborn, mussten wir bis zum Mittag warten, denn wir hatten im Rheintal starken Nebel, aber die Sonne verscheuchte den Nebel und wir konnten bis kurz vor Stein am Rhein fahren, leider mussten wir Wenden weil die Rückfahrt nach Unteruhldingen doch einige Zeit brauchte.
Im Yachthafen von Unteruhldingen angekommen wurden wir abends mit einem großen Hallo begrüßt und wir waren froh, dass unser Schiff heil angekommen ist, dass sah im Frühjahr an der Elbe anders aus. Wir übernachteten in einem mittelmäßigen Hotel, da wir am nächsten Morgen zur Messe nach Friedrichshafen wollten.
Die Interboot ist immer Gut, bei herrlichstem Wetter war dies ein toller Abschluss für unseren Urlaub. Volles Programm auf der Messe, unsere Yachtcharterer waren auch da, vor lauter Fachgespräche vergaßen wir die Hälfte für die nächste Törn-Planung im Herbst 2008. Gaby und ich kommen immer mehr zu dem Entschluss uns ein eigenes Boot zu kaufen, einige Anbieter wurden auf der Messe besucht und viele Fachgespräche geführt. Aber wir haben Zeit und überstürzten diese Aktion nicht. Es war ein ruhiger, erholsamer Urlaub, so macht das Bootfahren auch Spaß, ohne viel Aufregung.
Kapitel 7
Das Jahr 2007 neigt sich dem Ende und auch für Gaby und mich geht die Bootsaison 2007 zu Ende.
Da wir im Herbst nächsten Jahres einen etwas größeren Törn vorhaben, war diese Abschluss- Tour in die Märkischen Gewässer um Berlin eine reine Test und Erholungsfahrt. Unser Hafen Töplitz war das Ausgangsziel mit einer etwas kleineren Gruno 30, ein ideales Schiff für 2 Personen. Wir waren auch besser ausgerüstet als bei unseren anderen Touren, Notebook mit gespeicherten Revierkarten, UMTS, DTV-Ausrüstung, GPS, Funkgesteuerte Wetterstation und Funkscanner wurden von uns eingebaut. Der Morgennebel hielt uns noch bis zum Mittag im Hafen gefangen und wir konnten das Kommando „Klar bei Vorleine“ erst gegen 12.00Uhr geben.

Wir hatten diesmal keinen zeitlich abgestimmten Törnplan und waren frei in unserer Entscheidung. Nach passieren des Havelkanals legten wir abends im Yachtcentrum Nord-West Henningsdorf an, alles neu und modern, nur unser Adapter für den Landanschluß hatte einen Wackelkontakt, der Ersatzadapter war an Bord und wir hatten Strom, kennen wir schon, aber stromlose Zeiten gibt es bei uns nicht. Mächtiger Berufsschiffsverkehr auf der Wasserstraßenautobahn, Oder-Havelkanal, Polnische Schubverbände mit Kohlen für Berlin, wenn die ihre Maschinen anschmeißen, glaubst du der Wald brennt ab, weil solche starke Rauchentwicklung entsteht. Unsere Zusatzausrüstung, die wir im nächsten Jahr brauchen, haben wir auch getestet, es ist alles voll funktionstüchtig und wir gehen nach weniger Zeit von der Testphase in die Erholung über. Klasse Fahrt, wir tuckern auf dem Oder Havelkanal Richtung Osten, unser Ziel Marienwerder kurz vor Oderberg. Eine Familie aus Sachsen fährt auf einem Charterboot wie wir, vor uns, das Boot ist nicht Segelboot und auch nicht Motorboot, halt so ein Zwischending, wie das Boot so auch die Crew. Ziemlich merkwürdiger Fahrstiel auf dem Wasser, wir halten großen Abstand und die Berufsschiffahrt hat auch so ihre Probleme mit dem Boot.
In der Marina Marienwerder werden wir vom Hafenmeister begrüßt und wir halten den ganzen Abend einen Klön schnack, die Hafenkneipe heißt auch“ Klön schnack.“ Am nächsten Tag wollen wir eigentlich zum Schiffhebewerk Niederfinow, aber auf Grund starker Bauarbeiten in diesem Abschnitt und Einbahnverkehr mit 6 Stunden Wartezeiten entscheiden wir uns für den Werbelinsee. Tolle Sache, durch traumhafte Kanäle, so muss der Spreewald aussehen, geht es über 2 Schleusen mit Selbstbedienung in den Werbelinsee. Alles Naturschutzgebiet, wir sind ganz alleine auf dem See unterwegs und die Seekarten zeigen keine Untiefen an, doch mitten im See, gelbe Tonne von 35 Meter Tiefe sofort auf 2,50Meter, Gaby verkrampft sich am Ruder, Elbe Syndrom. Hier ist eine Untiefe im See, die weiträumig umfahren werden muss, aber in den Karten steht nichts. Nach dem ersten Schreck läuft bei uns alles nach Routine ab, langsam zurücksetzen und bei mehr Tiefe und mit einem gehörigen Respekt, die Tonne mit großen Abstand umfahren. Am See ende legen wir in einem kleinen Hafen an, wo es geräucherten Fisch vom Fischer gibt. Am anderen Morgen großes Geschrei nebenan, viele Kraniche auf Wanderschaft und ein Uhu gibt auch noch seinen Kommentar dazu. Auf der Rückfahrt über den Oder-Havelkanal nach Oranienburg haben wir einen seltenen Gast, neben dem Schiff, Gaby und ich sehen zum ersten Mal einen Eisvogel.
Das Bootshaus in Oranienburg ist auch sehr schön, neu renovierte Duschen und ein sehr freundlicher Service, man merkt der Hafenmeisterin an, dass sie schwer um ihr Image bemüht ist, nach dem sich einige Bootsfahrer in der Presse und in den bekannten Fachzeitschriften sehr negativ über diese Marina geäußert haben. Nächsten Tag, geht’s durch die Schleuse Berlin Spandau recht zügig zu unserem Stammhafen Marina Lanke Wannsee. Hier kann man Boote schauen, neu und gebraucht und schon mal von der Zukunft träumen, eigener Skipper zu sein. Abends ruft eine sehr liebe Freundin aus Amrum (Insel in der Nordsee) an, es wird ein langes Gespräch, sie erzählt vom Abendteuer einer Atlantikfahrt mit der QE II. Heute hat Gaby Geburtstag, ich habe eine Kleinigkeit im Schiff vorbereitet, dass Wetter ist schlecht, Windstärken bis zu 7Bf und ordentlicher Wellenschlag auf dem Wannsee.

Ich stoße mir den Kopf am Schott zum Salon, die Wunde fängt gleich an zu bluten, aber keine Panik wir haben auch das schnell im Griff. Unser Windmesser zeigt eine Windgeschwindigkeit von bis zu 65 Km an. Ankunft im Yachthafen des Hotel Resort Schwielowsee, hier wollen wir Gabys Geburtstag feiern, Klasse Anlage, alles da Wellness, Sauna, Außenpool/Innenpool, mehrere Restaurants und Bars, nur die Hafengebühren sind etwas hoch. Abends bekommt Gaby noch ein großes Feuerwerk mit Musikuntermahlung (Event im Hotel) besser geht es nicht. Am nächsten Morgen fahren wir gemütlich zurück nach Töplitz, ein etwas mürrischer Hafenmeister des Yachthafens, versieht seinen Dienst an der Schiffstankstelle. Aber sonst ist alles so wie immer. Keine lautstarke Unterhaltung gehabt.
Schaut man auf die paar Jahre Bootscharter zurück, kann man sagen wir haben viel erlebt, viel Geld ausgegeben, überwiegend nette und- weniger nicht nette Menschen kennen gelernt, immer gut gegessen, viel gelernt und vielleicht auch das Elbe Syndrom ein bisschen bezwungen. Die lautstarken Unterhaltungen zwischen Gaby und mir gibt es nicht mehr, wir sind ein gut eingespieltes Team, dass sich auch nur mit Blickkontakt bei Manövern versteht, hier haben wir schon einige Skipper verblüffen können, wenn Gaby am Ruder steht und sie ein nicht einfaches An oder- Ablegemanöver fährt. Frauen halt.
In ca. drei Jahren gibt es dann wieder Berichte, vielleicht schon auf eigener Yacht.

Peter Uebach Maisach den, 10.12.2007

 

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